Ein Leser fragte nach der Zufriedenheit mit dem C63-T AMG

Es ist ein Traumwagen für Vernunftsmenschen

Der W204 C63 AMG ist nach wie vor das perfekte Fahrzeug für Menschen mit Hang zum Understatement aber extrem schnellen – und klanggewaltigen – Autos. Und er lässt sich – für das was er bietet – auch vergleichsweise preiswert fortbewegen.

Glauben Sie nicht?

Ich bin kein Pfennigfuchser oder Erbsenzähler, und schon gar nicht halte ich meine Sprit- oder sonstigen Unterhaltskosten nach. Hatte ich doch mal einen Schulzeitkumpel nachnamens Schwalbe, der doch selbst als Lufthansa-Kapitän noch allen Ernstes bei seinem 993er den Verbrauch “mitstoppte“. 

Ich kann guten Gewissens sagen, dass das C-Ding in der Voll + Teilkasko exakt bei 1.770,27 EUR jährlich liegt (bei 2K SB und SF7). Und nur z.K.: Teilkasko versichert kostet das Autochen läppische 727 EUR jährlich (bei der Zürich).

Der Spritverbrauch hat sich inzwischen auf 15,7 Liter (laut BC) eingependelt. Was an den vielen verfluchten Autobahnbaustellen hier liegt. Aber das wird sich nach meinem Umzug nach Winnekendonk garantiert wieder ändern!

Hoch lebe die tempounlimitierte A57! 🙂

Die Unterhaltskosten sind auch deshalb vergleichsweise gering, weil bis jetzt (72K – 115K km) schlicht nichts kaputtgehen will. Vor ein paar Monaten fiel der rechte Scheibenwischer aus. Es hatte sich einfach nur eine Schraube am Gestänge gelöst. Dauer der Reparatur in meiner Leib- und Magenwerkstatt: Keine 2 Minuten! Wurde auch gar nicht berechnet, weil ich eh zum Wechsel auf Winterreifen da war. Die Rechnung betrug 257,05 EUR netto incl. 45,00 EUR Sommerreifeneinlagerung und zweier neuer Winterreifen der Dimension 235 R18 für die Hinterachse. Breiter geht leider nicht, weil die schönen Axxion AX5 Excess in 18″ nicht mehr zulassen.

Tatsächlich gehen hinten auch 255er drauf (mit welchen ich in Kroatien kurzzeitig auch schon über 290 km/h fuhr, gar nicht im Sinn, dass es auf 240 km/h limitierte Winterreifen waren ;-). Lässt der TÜV aber leider nicht zu. <grmpfl>

Und weil das Autochen auch diesen Winter wieder auf hübschen Füßchen stehen sollte …

… musste ich eben auf 235er hinten zurückrüsten.

Etwas unangenehm ist allenfalls die Tatsache, dass schon bei Feuchtigkeit und einem Kickdown im S-Modus auch bei 180 km/h umgehend die ASR-Leuchte wild zu blinken beginnt. Auch sind die Winterreifen natürlich bei 240 km/h nicht ganz so spurtreu wie die Sommerreifen (Barum Bravuris 3). Diese vermeintlichen “Billigreifen” tragen übrigens ihren nicht geringen Anteil zu den vergleichsweise geringen Unterhaltskosten des AMG bei. Ist doch ein Auto mit 520 PS allein an der Hinterachse konstruktionsbedingt bei “artgerechter Bewegung” ein Hinterreifenvernichter sondergleichen.

Dabei sind die Barum Bravuris wirklich gute Reifen:

http://www.volksfreund.de/nachrichten/magazin/auto/volksfreund/Autotests-Warum-preiswert-auch-gut-sein-kann-Budget-Reifen-im-Test;art166686,3868657.

Natürlich könnte ich auch Conti Sport Contact oder Pirelli P-Zero finanziell verknusen (Das kleine Monsterkombi wird als Firmenwagen ohnehin vom Steuerzahler subventioniert). Ich wüsste aber – ehrlich gesagt – nicht wirklich warum. (Vor allem weil ich das kleine Biest mit Contis übernommen hab und die einfach nur “S” fand). Genau so wenig, wie ich selbst immer das teuerste Motoröl nachfülle. Gut, es sollte schon vollsynthetisches Öl nach Mercedes/AMG Spezifikation sein. Aber diese erfüllen auch viele sog. “Baumarkt“-Öle im praktischen 5-Liter-Gebinde.

Nun muss man sich aber auch einmal vor Augen halten was der C63 AMG für mich tatsächlich ist.

Er ist mein Traumwagen!

Aber eben gerade nicht so, wie es so einige jetzt möglicherweise vermuten würden.

Er ist für mich nicht die Verwirklichung eines Traums. Er ist einfach nur das absolut perfekte “Workhorse“.

So wie Jolly Jumper es für Lucky Luke ist.

Mein W204 C63 AMG ist eine superzuverlässige Alltagskarre.
Dabei sauschnell und unglaublich geil zu fahren.

Egal wie lange ich ihn nun schon habe, er macht immer wieder riesigen Spaß!

Praktisch wie er ist, würde ich ihn auch nie gegen z.B. einen SLS oder gar GT eintauschen. Und gegen italienischen Kernschrott von Ferrari oder Lambo schon gar nicht (wobei mir der Gallardo optisch schon immer gefiel). Meinen kleinen C63 kann ich bei jedem Wetter an jeder Straßenecke und unter jeder Laterne parken. Es wird ihm nichts passieren, außer, dass ihn die Geier eventuell vollkacken. Und wenn es darauf ankommt, dann kann ich damit locker vier Paar Skier plus Skischuhe und – man will ja auf der Piste nicht täglich das Gleiche tragen – haufenweise Skiklamotten mitnehmen. Komplett ohne eine grottenschäbbige Dachbox!

Auch ganze IKEA-Schränke für die bald hinzukommende zweite Wohnung auf Mali Lošinj passen da problemlos rein. Da fahr ich dann von der Insel aus nach Klagenfurt, tobe mich auf den schönen Serpentinen aus, pack mir den Kofferraum voll und fahre mit dem rasenden Packeselchen wieder auf die Insel zurück.

So, und nun geht die Fuhre bei Bedarf auch noch 320 km/h (Tacho) und pulverisiert damit so ziemlich alles, es sei denn wirkliche Supersportwagen. Es ist schon lustig, wenn man des Nachts Richtung Kroatien auf der Frankfurter Airportautobahn einem Audi A8 bei 250 km/h die Lichthupe gibt und alsdann an ihm vorbeizieht als ob der 160 km/h fahren würde. Ok, aber gleiches Recht für alle. Daher bitte immer mal wieder einen Blick in den Rückspiegel, denn die aktuellen Prollsche 911 Turbo mit ihren 560+ PS sind nochmals deutlich schneller. Also bitte flugs zur Seite, wenn so einer mal angeflogen kommt!

Falls sich jemand fragen sollte wie sich 300+ km/h anfühlen (gefahren mit Barum Bravuris). Ich bin sie einmal so gegen Mittag auf dem Weg nach Goch auf der A3 gefahren. Die Autobahn war leer. Mit deutlich über 300 km/h feuerte ich auch an der Ausfahrt Kleve vorbei, weil ich schlicht im Geschwindigkeitsrausch war. Es zog leicht durch die linke Türdichtung. Man bemerkte so etwas wie eine leichte Unwucht der Bereifung. Ob es allerdings an der lag, vermag ich nicht zu sagen. Ansonsten liegt der C63 wie ein Brett auf der Piste. Die zweispurige Autobahn wird trotzdem irre schmal. Ehrlich gesagt wäre ich mit über 300 km/h nicht an einem LKW vorbeigedonnert.

Dazu macht mir mein Leben einfach viel zu viel Spaß!

Fazit:

Der C63 als T-Modell ist einfach nur das ideale Erstfahrzeug für Vernunftsmenschen mit einem Faible für Geschwindigkeit. Er ist ganz weit weg von einem Statussymbol. Anders als z.B. das – zweifelsfrei sehr hübsche – Coupé. Und erst Recht die Variante mit dem – wie ich finde – peinlichen Heckflügel.

Der W204 C-T 63 AMG ist eine supertaugliche Alltagskiste und erzeugt – interessanterweise – so gar keine Neidgefühle. Was vermutlich daran liegen wird, dass er eben einfach doch nur eine völlig übermotorisierte Familienkutsche ist.

Sportwagen fallen irgendwie immer negativ auf. Ich weiß auch nicht warum. Aber sie erzeugen in gewissen Menschen einfach Neid. Und so wurde selbst meinem TVR Griffith 430 vor zig Jahren direkt vor meiner Haustür das Verdeck aufgeschlitzt. Und ebenso meinem R129. Der C63 hingegen hat bislang noch nicht einmal einen einzigen – fremdverschuldeten – Kratzer abbekommen.

Die Mercedes W20x-Klasse war lange Zeit die kleinste Baureihe. Sie ist so etwas wie das prototypische Rentnerfahrzeug. (Wobei ich Audi, Skoda, VW und selbst BMW weit eher in der Geronto-Ecke sehe) Aber Mercedes stand eben selten für Dynamik, Sportlichkeit und – leider auch Jahrzehnte lang – im Bereich der “Brot und Butter Autos” aber auch kaum jemals für gutes Design.

Das hat sich mit der W204 C-Klasse geändert und sie steht in der würdigen Nachfolge des W201. Weshalb ich mir recht sicher bin, dass eines fernen Tages der W204 viel Geld wert sein wird. Derweil der W205 als “Chinadesignkarre” sich die noch so breiten Schlappen auf den Fähnchenhändlerhöfen platt stehen kann. Man muss sich nur einmal die Preissteigerung der W201-Modelle im Vergleich zu W202 und W203 anschauen. Alle drei sind technisch tolle und alltagstaugliche Autos. Allerdings sehen W202 und W203 einfach beschissen aus.

Ich habe mich bemüht Photos zu finden, die sie alle aus einem zumindest ähnlichen optischen Blickwinkel heraus zeigen. Anderenfalls die Diversität der jeweiligen Dynamik der verschiedenen Modelle nicht klar zu erkennen wäre.

Der werte Betrachter möge bitte auch die Felgen als zwingendes Designmerkmal eines Fahrzeuges mitbeurteilen.

Verstehen´s woas i moan?

Der W204 ist dem ursprünglichen Designkonzept des W201 am ähnlichsten. Der rundgelutschten “Evolutionsstufe” W202 fehlt die markante Sicke an der Seite und sie sieht einfach nur irgendwie aufgequollen aus. Das Scheinwerferkonzept des W203 passt nicht zu Mercedes, ebensowenig wie der wenig markante Kühler. Der wiederum beim W205 praktisch gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Wäre da kein “Sternenpapperl” vorne drauf, könnte es genausogut ein BMW oder irgendeine Reisschüssel sein.

Aber über Geschmäcker lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Wohl aber darüber wie man die Kraft aus einem Motor holt. Und hier gilt – für mich zumindest – immer noch die gute alte Regel, wonach Hubraum durch nichts anderes zu ersetzen ist als durch noch mehr Hubraum!

Die Autos u.a. im direkten Soundvergleich (Bitte nur mit Kopfhörern anschauen).

Echtes, natürliches, metallisches “V8-Hämmern” im Vergleich zu basslastigem, Synthie-Tuningsound. Beim W204 C63 hört man noch jeden einzelnen Zylinder. Beim W205 C63 nur noch ein undefiniertes dunkles Brummeln. Vielleicht einmal interessant für eine Generation, die nicht mehr weiß, wie Viertakter überhaupt funktionieren …

Ach ja, wer mal komplett ungefilterten V8-Sound hören möchte, dem empfehle ich das hier:

Kniet nieder, selbst ihr AMG-Afiocionados. That´s a big burbling V8. That´s british muscle.

Hut ab vor der “Bastelbude” TVR!!!

Interessant fand ich, dass die 10 PS mehr dem Biturbo-W205 bis 250 km/h praktisch keinen Vorteil bringen. Er dreht am Ende sogar gefühlt lahmer. Nun lassen sich aus dem W204 aber mit vergleichsweise geringem Aufwand auch – komplett alltagstaugliche – 520 PS herauskitzeln. Und dann schaut die Sache schon deutlich anders aus. Literleistung beim 6.2 dann immer noch lächerliche 83,88 PS. Beim W205 wären es hingegen schon 130 PS.

Zudem: Lassen Sie irgendwann mal zwei Turbolader erneuern. Da kann der neue W205 C63 noch so viel weniger verbrauchen. Diese (zwangsläufigen) Kosten holen Sie durch die Spritersparnis niemals wieder rein. Und die ist gar nicht so groß wie erwartet, so es sie denn überhaupt gibt:

http://www.spritmonitor.de/de/uebersicht/28-Mercedes-Benz/270-C-Klasse.html?exactmodel=c63&powerunit=2

Pardon, aber wer einen W205 C63 AMG S mit 9,46 Litern bewegt, der hat das Auto in seinem Leben noch nie gesehen. Und Durchschnittsverbräuche unter 15 Litern sind was für Leute die in streng tempolimitierten Regionen wohnen und für Stadtfahrten auch noch den ÖPNV benutzen. Meiner juckelt durch Österreich übrigens auch mit 11,3 Litern Durchschnittsverbrauch, wenn ich ihn mittels Tempomat fahre und auch beschleunigen lasse.

Aber das ist doch bittschä amoi ka goar net artgrechte Haltung!!!

Kommentar verfassen