Eine kleine Gegenüberstellung autmobiler Kulturen

Rich USA vs. poor Germany

Ein unbestreitbarer Fakt ist, dass wir in Deutschland die wirklich besten Autos der Welt bauen. Nicht unbedingt die technisch besten Autos der Welt, denn was das betrifft sind die Japaner auch ganz weit vorne. Aber japanische Autos „leiden“ bislang immer noch unter so etwas wie einem – sagen wir mal – undefinierbaren Design. Einen Mazda z.B. erkennt man eigentlich nur an seinem Markenlogo.

Überbreite und sehr tief reichende Kühlergrills sowie riesige Lufteinlässe daneben sind im Moment aktuelle Designsprache ….

… und die aktuelle Werbung dafür ist ja nicht einmal unbedingt schlecht. Ein gut aussehender Mann und eine sehr knuddelige Italienerin …

… kombiniert mit einer Art „James Bond“ Spruch: „Ready when you are„. (Fiat macht es mit dem Lächerlichspider 124 ähnlich: „Bereit, wenn Sie es sind.“)

Allein, der Sinngehalt des Lexus-Werbespots erschließt sich mir nicht.

Und für einen Abarth 124 Spider mit seinen ehrfurchtsgebietenden 170 PS werde ich leider niemals bereit sein, mache ich mir doch vor dem „absoluten Rausch der Geschwindigkeit“ allein beim reinen Anblick der Hühnerkarre in die Hosen vor Angst!

Zurück zum Lexus. Der Kerl springt auf, weil ihn sein Wecker dazu „zwingt“ (Anniversario = Jahrestag), rast in einen Laden, um dort „Stangenbrot“ zu kaufen, rast – ohne einen Espresso zu nehmen – sogleich wieder zurück und beginnt vermutlich ein Omelette zuzubereiten. Sie setzt sich in das selbe Auto – rast zum ebenso selben Brothändler, kauft diesem dessen Schal ab (die Szene spielt im Sommer, wie man an der leichten Kleidung der durchaus attraktiven Dame erkennen mag) und macht diesen ihrem Gespielen mit den zart dahingeflüsterten Worten „anche a tu“ (Dir auch) zum Geschenk.

Tut mir leid. Aber ich hab den Sinn dieses Werbevideos definitiv NICHT verstanden!

Aber das mit dem immer extremeren Autodesign ist so ähnlich wie im Pornofilm. Mehr als die Popofickerei einer Silikonblondine mit vier Typen interessiert irgendwann keine Sau mehr. Das nennt sich „Übersättigung„. Weshalb es ja auch einen Trend zu „Retro“ gibt. Der überaus knuffige Fiat 500 sei hier nur als bestes Beispiel genannt. Und das Ding ist in der über die offizielle Abarth-Version hinaus nochmals leistungsgesteigerten Version mit 250 PS wirklich rattenschnell. Hatte den mal bergauf auf der A46 Richtung Wuppertal vor mir, neben mir, hinter mir, dann wieder vor mir. Als das kleine Autochen bei 100 km/h Gas gab musste ich schon den S-Mode aktivieren, um es bei ca. 180 km/h mit spürbarem Geschwindigkeitsüberschuss wieder abzufangen. Kein Wunder, wiegt der Winzling doch keine 950 kg.

Der dicke Sigmar Gabriel, ein Ex-Lehrerlein übrigens (Neudeutsch: Politelite) – nein, der wiegt keine 950 kg, auch wenn er so aussieht – sagte kürzlich als Reaktion auf des Trumpeltiers automobile Drohungen gegenüber deutschen Herstellern, dass das Ungleichgewicht darin begründet läge, dass wir halt die besseren Autos bauen.

Ich sehe das etwas anders.

Hierzulande kostet ein Liter Superbenzin ca. 1,27 EUR. Von V-Power gar nicht zu reden.

In den USA hingegen lächerliche 64 EUR-Cent.

Und nun verraten Sie mir doch bitte einmal, warum die Amerikaner Diesel-PKW bauen und auf V8-Motoren verzichten sollten! Um die Umwelt noch mehr zu schonen, als sie es denn bereits schon tun? Waren Sie eigentlich schon mal in den USA und dort vielleicht auch in einem der nicht gerade wenigen Nationalparks? Werfen Sie da mal Müll auf den Boden. Das trauen Sie sich nicht! Da stehen nämlich glatt mal 1.000 und mehr Dollar Strafe drauf. Und die bezahlen Sie da garantiert auch!

Ich war das letzte Mal 1991 in den USA. Wir hatten uns das Geld für die sechs Wochen Aufenthalt bei Armstrong in Münster ziemlich hart zusammengeschuftet. 6.000 DM seinerzeit für sechs Wochen USA. Hört sich nach sehr viel Geld an, war es aber nicht. Ca. 140 DM pro Tag. Aber davon mussten natürlich auch Hin- und Rückflug bezahlt werden, was damals noch deutlich billiger war als heute. Insgesamt hatten wir abzgl. Flugkosten pro Nase etwas über 100 DM am Tag zur Verfügung. Und damit kamen wir auch ganz gut hin. Und konnten uns am LAX sogar ein Upgrade auf sowas hier leisten:

In Weiß mit roten Ledersitzen. 4,9 Liter V8 mit seinerzeit ehrfurchteinflößenden 149 KW (210 PS). (https://de.wikipedia.org/wiki/Cadillac_Seville#Seville_.281985.E2.80.931991.29)

Für mich mit gerade einmal 21 Jahren war das schon echt eine Rakete. Und wir kamen mit dem Auto und unseren Collegejacken auch so glaubhaft rüber, dass wir damit tatsächlich durch Zufall in San Diego auf einen Marinestützpunkt geraten sind. Die Wachen ließen uns mit der dicken Karre und unseren Ray-Ban´s einfach unkontrolliert durchfahren. Bis wir selbst begriffen hatten wo wir da plötzlich gelandet waren, umdrehten und uns in aller Form entschuldigten. Die Jungs waren anfangs völlig verdutzt, dann so gar nicht entspannt, glaubten uns aber zuletzt doch, dass es wirklich nur ein Versehen war.

Ich weiß nicht mehr wo genau die Höchstgeschwindigkeit des Caddy seinerzeit lag. Ich meine aber so irgendwo bei 210 km/h. Wir bummelten da mit Tempomat so knapp über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit am Lake Ontario entlang Richtung Detroid, futterten Nachos mit Bohnendip und spielen dabei Karten. Plötzlich werden wir von einer ziemlich ollen Karre mit irrem Tempo überholt. Ich trat voll aufs Gaspedal. Am Ende waren es zwei rüstige alte Omis mit Radarwarner auf dem Armaturenbrett, die es halt „a weng“ eiliger hatten. 180 km/h eilig, um genau zu sein! Und das war mit deren oller Karre „Bodenblech„!!!

Ab da fuhren wir „seriösen“ Autos mit Radarwarner gerne schnell bis sehr schnell hinterher. Wobei ja mehr als 210 km/h leider nicht drin waren. Was uns auf dem Weg zum Grand Canyon mal ganz massiv ankotzte, weil wir einer Corvette nicht mehr folgen konnten.

Ach ja, warum erzähle ich das eigentlich? Weil 210 km/h mit einem solchen Caddy auf US-Autobahnen oder gar Highways schon verdammt schnell sind. Und wenn Sie erst einmal den 101 von Seattle bis L.A. mit dem Schaukelcaddy runtergefahren sind und auf der Strecke ca. einen Satz Reifen zu Tode gequietscht haben, dann wissen Sie wovon ich rede!

Fakt ist jedenfalls, dass der Caddy irre viel Spaß gemacht hat. Und das nicht nur, weil das damals eine der US-Oberklasselimousinen war, sondern weil er einfach die entspannte Art des US-Cruisings ein wenig mit europäischer Sportlichkeit kombinierte. Der Vater einer späteren Studienfreundin von mir – der Inhaber der Fa. Winkhaus – fuhr auch so einen Caddy Seville STS. Kein Wunder, dass wir uns sehr gut verstanden. Und wäre das arme Kind seinerzeit nicht bei einem Verkehrsunfall zu Tode gekommen, dann wären wir heute möglicherweise verheiratet. Sie war nicht die Allerallerschlankste (D-Körbchen). Aber ein unglaublich intelligentes, patentes, lebensfrohes und herzliches Mädel. Weshalb ich sie hier gerne einmal erwähnen möchte, um ihr sozusagen meinen ewigen Respekt zu zollen.

Ich erinnere mich noch daran, wie sie mich zum ersten Mal „offiziell“ zu sich eingeladen hatte. Es gab Tee auf der Terrasse des Hauses. Ich nahm die Bone China Tasse nicht schwul prätentiös am Henkel, sondern zwischen Daumen und Zeige-/Mittelfinger. Der olle Winkhaus schaute nur kurz, grinste breit und machte es dann genauso. Ab da war das Eis gebrochen. Ein toller, unkonventioneller und überaus sympathischer Kerl!

Aber wieder zurück zu den Autos:

Was wir hier in Europa ignorieren, ist die Tatsache, dass die Amerikaner für ihren Bedarf bereits die perfekten Autos produzieren. Sie fahren nicht deutsche Autos, weil sie sie etwa benötigen. Sie fahren sie einfach nur, weil sie sie wollen. So wie die USA klasse Whisky produzieren aber trotzdem Whiskey importieren.

Es geht bei Luxusgütern nie darum, ob man sie wirklich braucht. Es geht allein um das „Habenwollen„. Und ja, deutsche Autos sind in den USA immer noch sowas wie Luxusartikel. So wie hierzulande französische oder italienische Handtaschen. Aber brauchen tut Man(n)/Frau sie nun wirklich nicht. Nehmen wir mal das US-Pendant zu meinem kleinen Monsterkombi. Das wäre das hier:

564 PS, 15,6 Liter Durchschnittsverbrauch. V-max ebenfalls über 300 km/h. Würde ich in den USA leben, dann hätte ich mir vermutlich den gekauft, kostet der Sprit dort doch eben nix.

Allemal eine gute Alternative zu Mercedes oder gar AMG. Auch optisch eine ziemlich geile Karre. Dass wir derlei in Europa nicht so sehr goutieren, hängt vermutlich einfach mit unseren deutlich höheren Spritkosten zusammen, sowie unserem signifikant geringeren Durchschnittsgehalt. Wir fahren billigen Diesel, weil wir arm sind – und verrecken irgendwann schneller an deren Feinstaub – und die Amis verbrauchen halt ein paar Liter mehr, müssen sich dabei aber um ihre Gesundheit weitaus weniger Gedanken machen.

Ich weiß gerade jedenfalls was mir persönlich lieber wäre!

Und auch, warum ich keinen Diesel fahre!

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