Hört endlich auf in China zu produzieren!

Ich habe einige Lieblingsmarken, wie wohl jeder Mann: Kerver, La Martina, Prada, el Ganso, Windsor und Boss.

Vor allem die Jeans und die schwarzen Langarmpolos von Boss haben es mir angetan. Letztere lassen sich praktisch zu allem tragen, müssen nach dem Waschen nicht gebügelt werden, was für einen unabhängigen Mann sehr praktisch ist, und man ist damit immer gut angezogen. Also bestellte ich mir letztens Nachschub und mich traf nach Ankunft beinahe der Schlag! „Made in China“ las ich auf dem Etikett. Am liebsten hätte ich sie wieder zurückgeschickt!

Ich kann ja verstehen, dass Firmen nicht mehr in Deutschland schneidern lassen. Aber wenn die Geldgier soweit geht, dass eine relative Hochpreismarke wie Boss in China fertigen lässt, dann geht mir diese Gewinnmaximierung doch eindeutig zu weit. Zumal wenn es sich auch noch um sog. NOS-Ware (Never Out of Stock – habe ich von meiner Mode-Ex gelernt) handelt. Bei schnell drehendem modischen Krempel kann ich ja noch verstehen wenn die Margen höher sind, weil einiges davon am Ende verramscht werden muss. Aber nicht bei solchen Artikeln. Da handelt es sich m.E. nur um eine Marge die schon als sittenwidrig bezeichnet werden muss. Boss kann mich also in Zukunft die Polos betreffend gerne mal! Als Ersatz für Kurzarmpolos habe ich mir Avirex USA ausgesucht. Die produzieren fairerweise in der Türkei und kosten auch bloß den Bruchteil eines Boss-Polos. Die Langarmpolos werde ich durch meine La Martina Shirts substituieren. Die halten noch ewig. Da noch längere Zeit kein Hosenkauf ansteht (hab gerade wieder zwei zum Flicken zu meiner Schneiderin gebracht) besteht hier kein Handlungsbedarf. Aber wehe Boss produziert auch die Hosen in China!

Ich kann  ja nachvollziehen, dass eine Jeans, die z.B. bei KiK für 6,99 EUR über den Ladentresen geht, nur in China, Kambodija, Bangladesh usw. produziert werden kann. Und es ist auch gut, dass es KiK gibt, weil eben nicht alle Menschen sich sog. Premiumlabels leisten können. Ich gebe mein Geld gerne für zumindest vermeintlich gute Sachen aus, die ich dafür auch sehr lange trage, und erwarte für den Preis entsprechende Bedingungen bei der Herstellung, wozu auch die Entlohnung zählt. Leider kann ich es mir kaum vorstellen, dass Boss seine Näherinnen besser bezahlt als es andere Firmen tun. Hier verdienen allein die chinesischen Fabrikbesitzer und die Aktionäre der Boss AG. Die finanziell zu pampern sehe ich aber nicht ein.

„Leben und leben lassen“ lautete schon immer meine Devise. Es gibt bei vernünftiger Arbeitsteilung für alle genug zu tun. Monopole sind immer schädlich weil sie zu Trägheit und Hochmut führen. Mein erster Arbeitgeber war so ein Monopolist. Da laufen aufgrund dessen nur unterqualifizierte Schwachköpfe herum, die aber meinen Gott weiß wen darzustellen, weil sie die große Firma im Rücken haben. Da wird mit der über die Firma geleasten E-Klasse geprotzt bei der es zwar für das AMG Optikpaket, nicht mehr aber für die Ledersitze gereicht hat. Aber wo bitteschön fährt ein gemeiner Außendienstler überhaupt E-Klasse? Nur bei einem Monopolisten aus Nürnberg! Nun gut, dagegen kann ich jetzt nichts mehr unternehmen. Aber ich kann zumindest Marken boykottieren, die es mit der Globalisierung zu weit getrieben haben. Ich käme z.B. auch niemals auf die Idee mir ein koreanisches oder japanisches Auto zu kaufen. Ich bin Europäer, also kaufe ich auch europäisch. So wie der Österreicher auch bevorzugt Ware aus der Heimat kauft. Nur: In Österreich darf man dafür im Laden ganz deutlich Werbung machen, während bei uns „kauft Deutsch“ natürlich geschichtlich vorbelastet ist. Auch sollte man möglichst regional einkaufen. ALDI ist da übrigens kein Widerspruch, weil gerade die aufgrund der Logistikkosten ihre Waren schon aus Kostengründen recht regional zu beziehen versuchen. Gäbe es nicht in jedem Supermarkt mindestens 15 Sorten des gleichen Sahnejoghurts von verschiedenen Herstellern aus allen Ecken Deutschlands, dann wären zudem unsere Autobahnen deutlich leerer. Nein, stattdessen wird die Autobahn als Warenlager missbraucht und ich dadurch von den vielen Linksspurkriechern ausgebremst.

Es würde in der Weltwirtschaft auch deutlich gerechter zugehen, wenn wir wieder „entglobalisieren“ würden. Denn würde das Boss-Polo das gleiche Geld im VK kosten aber hier in Deutschland hergestellt werden, dann würde die AG zwar weniger verdienen, dafür hätte aber eine einfache Näherin hier in Deutschland wieder ihr Auskommen und müsste sich nicht bei Kaufhof als Toilettenfrau verdingen weil es für Näherinnen hierzulande eben keine Jobs mehr gibt.  Ein Großteil der gerinfügigen Beschäftigung kommt ja erst durch die Globalisierung zustande. Gerne vergessen wird aber, dass diese Leute als Rentner alle auf die Steuerzahler angewiesen sein werden. Derer werden indes leider nicht mehr.

Lediglich im Hochpreissegment lassen die Hersteller noch in Italien nähen. Na klar, denn würde ich in einer Lammfelljacke für 2.500 EUR lesen, dass diese in Thailand genäht wurde, dann würde ich sie ganz gewiss hängen lassen. Jetzt sind wirklich wohlhabende Leute als typische Klientel für diese Preisbereiche aber oftmals nicht besonders sozial denkende Wesen, sondern vielfach sehr arrogante Menschen. Und egal, ob der 4.000 EUR Cashmeremantel von Armani vielleicht von einer chinesischen Näherin besser vernäht worden wäre, man kauft von solchen Untermenschen hergestellte Waren einfach nicht. Die Tatsache, dass im Modebereich überhaupt noch Waren in Europa produziert werden, ist also nicht den sozialen Unternehmern oder den besonders qualifizierten Arbeitnehmern zu verdanken, sondern allein der Arroganz der Luxuskunden. Die russische Millionärsgattin kauft nur Pelze, die in Italien, Frankreich, Deutschland usw. genäht wurden. Wenn auch dort vielleicht von einer chinesischen Einwanderin.

Aber auch diese erhält dafür immerhin einen europäischen und damit menschenwürdigen Lohn – so hoffe ich es zumindest!