Hut ab, Frau Ates!

Muslima gründet liberale Moschee

Soll der SPIEGEL mich verklagen, weil ich dessen Interview mit Frau Ates (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/seyran-ates-warum-die-frauenrechtlerin-eine-moschee-gruendet-a-1151177.html) hier im Original wiedergebe. Aber nicht alle Menschen lesen den SPIEGEL. Viele schon deshalb nicht, weil sie ihn für zu links halten. Und da ich ja vermutlich als durch und durch rechts verschrien bin, ist es mir ein Anliegen auch meinen – vermutlich ebenfalls durch und durch rechten Lesern – diesen Artikel zu Kenntnis zu geben. Denn das was Frau Ates da macht, ist – obwohl sie inzwischen eine kurzhaarige Kampfemanze ist, und damit so gar nicht meinem Frauenbild entspricht – eine ungeheuer vernünftige und sehr mutige Sache.

Es wundert mich, dass es so lange gebraucht hat, bis irgendwer auf diese Idee kam. Und nein, es war nicht der in jeder Talkshow schleimscheißende, angeblich so tolerante “Opfermuslim” Mazyek, der diesen längst überfälligen Einfall hatte, sondern eine Frau, was mich noch um so mehr freut. Dieser Moschee wünsche ich von Herzen den größtmöglichen Erfolg. Möge sie möglichst viele Muslime erreichen und ihnen verdeutlichen, dass der steinzeitliche Islam eines Herrn Mazyek, der ein verkappter Christenhasser reinsten Wassers ist, in Deutschland mehr und mehr keine Chance hat.

Liebe Frau Ates, ich drücke Ihnen nicht nur beide Daumen, sondern auch noch die dicken Zehen! 

 

SPIEGEL ONLINE: Frau Ates, Sie sind bekannt als scharfe Kritikerin konservativer Islamverbände, prangern Frauen- und Mädchenunterdrückung in muslimischen Communitys an. Jetzt gründen Sie eine Moschee und lassen sich selbst zur Imamin ausbilden. Wie passt das zusammen?

Ates: Muslimin zu sein und gleichzeitig Frauenrechtlerin, ist für mich kein Widerspruch. Ich bin schon immer gläubig gewesen, habe das aber lange als Privatangelegenheit gesehen und mich deshalb dagegen gewehrt, meinen Glauben nach außen zu kehren und mich mit anderen, die auch einen modernen Islam leben wollen, zu organisieren. Ich musste aber einsehen, dass diese Einstellung nicht richtig ist.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Ates: Weil es letztlich verantwortungslos ist, dass man als fortschrittlicher Muslim auf die konservativen Verbände schimpft, ihnen die religiöse Erziehung der Kinder und Jugendlichen überlässt, statt selbst aktiv zu werden. Als ich Mitglied der Islamkonferenz war, hat der damalige Innenminister Schäuble immer zu mir gesagt, die liberalen Muslime sollten sich zusammenschließen. Ich habe ihm am Ende der Islamkonferenz Recht gegeben und die Idee zur Moschee war geboren.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist jetzt ausgerechnet mehr Religion ihre Antwort auf Probleme wie Islamismus und Intoleranz?

Ates: Ich fordere nicht mehr Religion, sondern dass sich auch Linke mehr mit Religion beschäftigen. Es war der Fehler der Linken insgesamt, zu glauben, dass die Welt ohne Religion besser ist. Das ist sie nicht. Die Frage nach Gott treibt fast alle Menschen um, auch Atheisten. Wir dürfen unsere Religion und die Beschäftigung mit ihr nicht den Rückständigen überlassen.

SPIEGEL ONLINE: Wann wird die erste Frau in Ihrer Ibn Rushd-Goethe-Moschee ein gemeinsames Freitagsgebet von Männern und Frauen leiten?

Ates: Schon bei der Eröffnung der Moschee am Freitag, den 16. Juni. Zuerst wird die Schweizer Politologin Elham Manea zusammen mit dem Oldenburger Neurologen Mimoun Azizi vorbeten, dann werde ich selbst noch eine Predigt halten – auf Deutsch natürlich, aber mit Übersetzung ins Türkische und Arabische, wenn der Bedarf da ist.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Drohungen erhalten?

Ates: Ja, es gab persönliche Anfeindungen, zum Teil sehr heftig und obzön. Wir werden bei der Eröffnung der Moschee auch Polizeischutz haben.

SPIEGEL ONLINE: Wen wollen Sie mit Ihrer Moschee erreichen?

Ates: Zuerst einmal alle diejenigen, die sich bisher in keiner Moschee in Berlin zuhause gefühlt haben. Die einen modernen, friedlichen, liberalen und toleranten Glauben leben wollen. Und die keine politisch spaltenden Predigten wollen. Es hat sich zum Beispiel ein Muslim bei uns gemeldet, der erschrocken ist über die Rückständigkeit und den Hass, der hier in vielen Gebetshäusern herrscht und der lieber in Kirchen gegangen ist. Übrigens haben auch viele Flüchtlinge, die vor einer radikalen Auslegung des Islam geflohen sind, Kontakt zu uns aufgenommen. Sie berichten, dass die Imame in Syrien liberaler predigten als hier in Deutschland. Grundsätzlich stehen die Türen der Moschee allen offen – mit einer Ausnahme: Mit Nikab oder Burka wird niemand in unsere Mochee kommen

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Ates: Aus Sicherheitsgründen und weil es unsere Überzeugung ist, dass die Vollverschleierung nichts mit Religion zu tun hat, sondern ein politisches Statement ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie es schaffen, dass auch eher konservative Gläubige den Weg zu Ihnen finden?

Ates: Das schafft man nur durch Vorleben, offene Türen, einen Raum, in dem jeder Fragen stellen kann. Wir erzählen hier niemandem, was ein guter Muslim ist und was ein schlechter.

Die Berliner St. Johannes-Kirche beherbergt künftig die Ibn Rushd-Goethe-Moschee

DPA

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SPIEGEL ONLINE: Sie haben den großen muslimischen Verbänden in Deutschland vorgeworfen, bei Muslimen eine Opfermentalität zu schüren. Wie meinen Sie das?

Ates: Schon seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind die Verbände gefragt, wirkungsvoll gegen Extremismus vorzugehen. Statt das zu tun und dabei auch selbstkritisch zu sein, wiederholen die konservativen Vertreter mantramäßig immer wieder, Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, und beklagen Islamophobie.

SPIEGEL ONLINE: Islamfeindlichkeit gibt es aber – in breiten Schichten der Bevölkerung. Wieso darf man das nicht anprangern?

Ates: Natürlich gibt es Vorbehalte – aber diese zu kreieren und anzufeuern ist ja Teil des Geschäfts der islamistischen Terroristen. Sie verüben Anschläge und schaffen so Feindschaft gegen Muslime in der Gesellschaft, um dann wiederum diese Muslime als Anhänger zu gewinnen. Und natürlich hat der Terror mit dem Islam zu tun. Es lässt sich schlicht nicht bestreiten, dass es Menschen gibt, die aus dieser Religion Gewalt und Terror interpretieren, die dieses Religionsverständnis in Moscheen oder Koranschulen lernen. Natürlich ist der Islam per se nicht gleich Terror und Gewalt – aber es gibt eben diese Ausprägung.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie den “Rock am Ring” – Veranstalter Marek Lieberberg verstehen, der nach einer Terrorwarnung beklagte, es gäbe nicht genug große Demonstrationen von Muslimen gegen den Terror?

Ates: Absolut. Wie kann es sein, dass Zehntausende Menschen in Deutschland für oder gegen Erdogan auf die Straße gehen, aber nicht gegen den Terror. Wo ist die Mehrheit der friedliebenden Muslime?

SPIEGEL ONLINE: Nach dieser Logik müsste es auch seitens der Mehrheitsgesellschaft Massendemos gegen Anschläge auf Flüchtlingsheime geben, gegen Pegida, gegen Fremdenfeindlichkeit.

Ates: Ja, das stimmt – auch hier ist die Bereitschaft geschrumpft, seine Stimme zu erheben. Trotzdem ist sie nach meiner Beobachtung bei Muslimen besonders gering ausgeprägt. Wir werden deshalb von Seiten unserer Moschee bald eine Großdemo für den Frieden, gegen den Terror organisieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann es gelingen, Probleme im Islam anzuprangern, ohne dabei Rechtspopulisten wie die AfD zu bedienen?

Ates: Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, bei meinen Auftritten immer so etwas wie einen Werbeblock vorzuschalten: Nichts von dem, was ich sage, richtet sich pauschal gegen Muslime, gegen Türken, gegen Kurden. Ich distanziere mich von rechten Vereinfachern. Ich habe mittlerweile eine gute Antwort gefunden, auf alle von der AfD, die mich und meine Botschaften für ihre Zwecke missbrauchen wollen: Erst wenn die AfD bereit ist, mich als Kanzlerkandidatin aufzustellen, will ich glauben, dass sie mein Anliegen verstanden hat.

SPIEGEL ONLINE: Welche berechtigten Sorgen in Bezug auf den Islam vernachlässigen die Parteien der politischen Mitte?

Ates: Es gibt massive Probleme im Alltag, die nicht gelöst sind. Ein Beispiel: Mich hat eine Mutter kontaktiert. Ihrer Tochter wurde von einem Lehrer an einer Berliner Grundschule geraten, im Ramadan keine Würstchen mitzubringen. Ich rechne es dieser Frau hoch an, dass sie eben nicht zu Rechtspopulisten geht, sondern die Größe hat, bei mir als Muslimin in dieser Frage Rat zu suchen. Diese Geschichte ist kein Einzelfall: Nicht fastende Kinder an Grund- und Oberschulen werden tyrannisiert. Muslimische Schüler, die aus einem liberaleren Umfeld stammen, leugnen ihre Religion, um nicht von den fanatischeren Jugendlichen als schlechte Muslime drangsaliert zu werden. Wir müssen das ansprechen und dem etwas entgegensetzen.

Liebe Frau Ates, mögen Sie so viele vernünftige Muslime wie nur möglich mit Ihrer Moschee erreichen. Und möge diese als Vorbild für viele weitere neue Moscheen dienen, in denen der Frieden unter den Menschen gepredigt wird!

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