Langzeitbericht C63 AMG als Alltagsauto

Ich fahre das kleine Monster seit Kaufstand 72.000 km mit vergleichsweise geringen Kosten. Stand heute hat das Auto knapp über 109.500 km auf der Uhr. Bislang hat es zwei außerplanmäßige Zwischenfälle gegeben.

Der erste war der TÜV/KÜS/GTÜ-Termin mit Winterreifen. Der Prüfer war ein sehr aufmerksamer Mensch, der an dem Auto alles für optimal befand, aber dann auf die Bereifung schaute. Ich hatte diese so von dem Vorbesitzer übernommen und ging davon aus, dass alles ok ist. Dies zumal ich noch ein KBA-Gutachten für die Felgen mitbekommen hatte. Aber Vorsicht. Die hinteren Felgen waren nicht für die 255er Bereifung freigegeben, obwohl diese sauber draufsaß und mit mir in Kroatien auch schon mehrere Minuten über 280 km/h mitgemacht hatte. Auch in Deutschland bin ich mit den Hinterreifen schon deutlich über 250 gefahren. Insofern war ich einfach nur bass erstaunt, dass die Reifen nicht zugelassen sind. Sind sie aber tatsächlich nicht!

Mir blieb nur der Wechsel auf Sommerreifen (es passierte im März) damit ich korrekt über den TÜV komme. Mit original AMG-Felgen war das dann auch kein Problem. Allerdings war ich schon ein wenig erschrocken darüber wie ein angeblicher Mercedes-Händler dem Vorbesitzer diese Felgen (Axxion AX5 EXCESS) aufziehen konnte. Die Felgen sind sehr hübsch. Mir persönlich gefallen sie auch besser als die Speichenfelgen der AMG Black Series. Aber mit zwei Zentimetern weniger hinten (235 statt 255) kriegt man die Kraft des kleinen Monsters noch schlechter auf die Straße als mit der Serienbereifung. Wobei das im verschneiten Winter eher selten ein wirkliches Problem darstellen dürfte. Aber wann bitteschön hat es denn diesen Winter in Wuppertal schon mal wirklich geschneit? Und so fiel es mir die ganze Zeit über nicht auf, dass ich eigentlich auf “zu schmalem Fuße” fuhr.

Das Problem mit den hübschen Axxion-Felgen ist zudem, dass es die nicht für 255er Bereifung gibt. Zumindest nicht für 18-Zoll. Und 19-Zoll möchte ich mir gerne ersparen, weil dann aus dem recht komfortablen C63 ein knüppelharter M3-Clon werden dürfte.

Ich werde bald wohl mal meine Bremsscheiben und Beläge austauschen lassen müssen. Das Material liegt schon in meiner Leib- und Magenwerkstatt. Obwohl ich mir da auch nicht wirklich sicher bin. Denn noch leuchtet keine Anzeige und das Auto bremst immer noch so, als ob man einen Anker werfen würde. Der Vorbesitzer hatte ihn mir bei 72K km mit frisch gemachten Bremsen überlassen.

Und jetzt gehöre ich nun auch zu den Leuten, die auf der Autobahn und vor allem im Stau echt der schlichte Horror für die “Reflexbremsentreter” sein müssen. Denn ich bremse kaum. Ich fahre einfach ein wenig vorausschauend, lasse den Motor und die Automatik selbst bremsen und schau den ganzen Trotteln gerne auf ihre roten Rückleuchten und denke mir: “Mann, mann, mann, muss bremsen geil sein!” 😉 Das funktioniert übrigens auch in allen anderen Lebenslagen. Das gleiche Spiel mit Kupplungen.

Wenn ich frei fahren kann, dann trete ich das kleine Biest aber schon maximal auf den Kopf. Allein des Sounds wegen. Denn der ist schlicht bestialisch geil. Und jeder kurze Feger mit dem Hintern macht auch einfach Laune. Bei Nässe bin ich inzwischen allerdings vorsichtig geworden. Denn so gut die ganze Regelelektronik auch sein mag, so sehr misstraue ich ihr mittlerweile auch ein wenig. Denn Folgendes ist kürzlich vorgefallen:

Ich bringe mit dem C63-Eiltransporter die neu erworbenen Bremsscheiben und Beläge zu meinem Mechaniker. Liefere sie dort ab, damit sie mir nicht weiter dem Kofferraum verstopfen und fahre wieder los. Leichte Fahrbahnnässe innerstädtisch, kurz hinten wegfitschen lassen und danach “BLINK BLINK BLINK“. Totalausfall aller Systeme. Ich sofort wieder zurück zu meiner Werkstatt. Der gute Mann liest den AMG aus und stellt fest, dass das Ding 39 Steuergeräte hat. Eines davon hatte sich “verschluckt“.

Ich sag: “Spiru, was nun?
Spiru sagt: “Jerko, da ist irgendein Sensor defekt!
Ich sag: “Ja und was machen wir nu?
Spiru sagt: “Damit musst Du zu Mercedes.
Ich sag: “Weisst was, lösch mir einfach den Fehlerspeicher. Ich kenn mein Auto. Da ist nix dran.

Gesagt, getan. Tags drauf 280 km/h auf der A3 und auf engen Landstraßen immer ein wenig provoziert. Nix, das ASR regelt absolut einwandfrei.

Der Vorfall ist nun ca. 4 Wochen her und nichts war mehr. Ich bewege den AMG regelmäßig und habe mir nun auch den Tipp des KÜS-Prüfers zu Herzen genommen, dass ich ab und an auch mal die Feststellbremse benutzen soll.

In den letzten Wochen habe ich allerdings wieder ein Herz für den R129 SL 500 gefunden. Und ich muss sagen, dass er der perfekte Ausgleich zum AMG ist. Ruhig, komfortabel, Vollgas und Du hörst nix. Gut, meiner ist auch absolute Serie Bj. 1992. Der Gaspedalweg ist gefühlt 200mal länger als der des AMG. Und die Lenkung so unpräzise wie vermutlich die der Titanic im Vergleich zu einem Patrouillenboot. Aber der SL 500 R129 gewinnt mehr und mehr von seinem Charme zurück. Früher dachte ich einmal er sei schnell. Das ist er heute theoretisch immer noch. Aber im Vergleich zum AMG geradezu lachhaft lahm. Und trotzdem habe ich ihn gerade deshalb inzwischen wieder lieb.

War gestern in DDorf. Proll in aktuellem 911 vor/neben/hinter und sonswo mir (silber, rotes Leder = Schwuchtel). Er fuhr offen. Ich im SL mit Hardtop. Der Kerl wollte irgendwie die ganze Zeit an mich ran. Und als er mal neben mir war, machte er so richtig Lärm mit seinem erbärmlichen 6-Zylinder. Der schwarze Monolith erwiderte ihm nur durch ein paar clevere Überholmanöver und als er wieder an mich rankam, musste er den Prollsche nochmal aufbrüllen lassen. Armes Kerlchen.

Zurück zum C63 AMG. Ich wasche ihn schon seit zwei Jahren nicht mehr. Ich fahre ihn ca. 2mal wöchentlich. Er springt stets zuverlässig an und funktioniert einfach wie das sprichwörtliche Uhrwerk. Bin jetzt seit 90 Tagen über die Inspektion B0. Der sehe ich recht gelassen entgegen, weil ich nur noch sehr wenig mit dem AMG unterwegs bin. Das Öl wird regelmäßig gewechselt. Gemäß der Empfehlung von AMG 0W40. Allerdings nicht bei Mercedes. Habe sogar schon mal OBI-Öl reingefüllt. Interessanterweise sank der Ölverbrauch dadurch sogar spürbar (Der Vorbesitzer fuhr 0W30). Ok, könnte sein, dass ich den Motor des AMG dadurch zu Grunde richte. Aber im kommenden Oktober geht er aus dem Leasing in mein Privateigentum über. Für 13,5K EUR. Dann schreibe ich ihn nochmals über drei Jahre ab und anschließend kann es mir eigentlich auch egal sein, ob ihm die Maschine hochgeht. Wird sie aber nicht tun. Denn wir haben uns mal den Spaß erlaubt per Kamera den Motor zu überprüfen. Und das sieht nach wie vor alles aus, als ob es neu wäre.

Sollte ich den AMG durch falsches Öl kaputt gemacht haben, dann werfe ich ihn einfach weg. Aber das wird nicht passieren. Denn der kleine AMG ist einfach ein superzuverlässiger kleiner Lastesel, der motorisch absolut überdimensioniert ist.

Fakt ist: Ja er säuft. Aber wer das nicht auch tut, der macht in seinem Leben per se etwas verkehrt.
Fakt ist: Er ist verdammt sparsam. 16,1 Liter im Mittel inzwischen. Für 520 PS geradezu ein Witz.
Fakt ist: Er macht riesig Laune. Auch und selbst nachdem man sich an ihn gewöhnt hat.
Fakt ist: Er ist eine automobile Schlampe mit einem Herzen aus purem Gold.
Fakt ist: Wenn ich jemals heiraten wollte, dann würde ich mir eine Frau wünschen die so ist wie ein CT 63 AMG!

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