Müssen Milliardäre eigentlich so reich sein?

Und macht das überhaupt Spaß?

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht wie das Leben als Milliardär vielleicht so ist? Vermutlich nicht, weil das so weit weg von der Realität ist, dass man als Otto Normalmensch gar nicht darüber nachdenkt. Aber vielleicht haben Sie schon mal darüber nachgedacht wie es wäre 10 Millionen Euro im Lotto zu gewinnen. Was würden Sie damit machen?

Ich bin ja bekanntlich ein großer Fan schneller Autos. Dummerweise bin ich aber auch ein recht vernünftiger Mensch. Ich würde mir daher niemals einen Ferrari, Maserati oder gar Lambo kaufen. Der SLS AMG gefällt mir als Cabriolet ganz gut, aber nachdem man mir bei deutlich günstigeren Cabrios schon zweimal das Dach aufgeschlitzt hat, würde ich mir sowas nicht zulegen. Außerdem ist ein Auto mit 570 PS inzwischen auch untermotorisiert, erscheint der neue BMW M5 doch mit sagenhaften 600 PS. Jetzt stellen Sie sich mal vor Sie sitzen in sowas wie einem Supersportwagen und werden von einer Familienkutsche verblasen. Mich würde das deprimieren.

Überhaupt stelle ich mir langsam die Frage, wann dieser Irrsinn der automobilen Aufrüstung irgendwann aufhören wird. Wird es in 15 Jahren vielleicht die erste Serienlimousine mit 1000 PS geben? Und wer wird diese Power dann noch beherrschen können? Mir reichen die 520 PS meines kleinen Spielmobils ja schon teilweise aus, um Schweißperlen auf der Stirn zu bekommen. Aber vielleicht ist mir mein Leben auch einfach nur zu lieb, um mit 300 km/h durch die Weltgeschichte zu rasen.

Als Milliardär hat man es – glaube ich – recht schwer. Man kann nicht einfach mal eben so vor die Haustüre gehen oder so wie ich diesen Sommer kurz ins Städtchen, um lecker essen zu gehen und ein paar Bierchen zu trinken. Stellen Sie sich mal vor Bill Gates würde irgendwo einfach so über die Straße laufen. Oder auch die englischen Prinzen, irgendwelche Popstars usw. usw. Die werden ja ständig von irgendwelchen Paparazzi verfolgt, weil die sozial Schwachen sich an deren Bildern ergötzen und bei der Ansicht von Rihannas Fettpölsterchen oder Di Caprios Plauze schlussfolgern, dass das ja auch nur ganz normale Menschen seien. Das lässt sie dann die eigenen Unzulänglichkeiten besser ertragen, einen anderen Grund kann ich mir für die Existenz der ganzen Klatschzeitschriften nicht erklären.

Ich stelle mir das Leben von Milliardären irgendwie traurig vor. Sie sind gezwungen in selbst erschaffenen Ghettos zu leben, weil sie sich nicht in die normale Öffentlichkeit wagen können. Sie müssen sich Superyachten bauen lassen, weil sie sie nur mit dem Hubschrauber verlassen können, um sich in irgendwelche Villen oder Paläste fliegen zu lassen. Ich bezweifele, ob Milliardären oder auch anderen Prominenten das einfache Vergnügen z.B. des Besuches eines Weihnachtsmarktes vergönnt ist oder auch mal eben mit dem Auto sein Mittagessen beim Thai abholen zu können. Vorher gehe ich manchmal auch noch das Auto waschen. Am liebsten mit diesen Hochdruckreinigern. Das macht richtig Spaß den Dreck damit aus allen Ritzen zu pusten. Der Milliardär müsste sich dafür seine eigene Waschanlage bauen lassen.

Manchmal schaue ich mir dieses Unterschichtenformat „Die Geissens“ im TV an und könnte meinen kleinen Knackpo darauf verwetten, dass die meisten Zuschauer ihnen ihr Leben neiden. Ich tue es nicht, ich bewundere sie vielmehr dafür wie sie es führen. Denn die Leute schauen sich einfach die Welt an und tun ansonsten den lieben langen Tag nichts anderes als pünktlich zum Mittagessen zu gehen (Robert, so wie ich auch) oder Schuhe zu shoppen (Carmen). Ja nun, irgendwie muss man das Geld als Frau ja unter die Leute bringen, zumal wenn immer mehr davon hinterher kommt. Jetzt ist solcherlei Konsum zwar unsinnig aber ohne ihn bliebe die Welt stehen. Wenn alle so denken würden wie ich, dann würde ganz Bangladesh Hunger leiden. Ich kaufe mir pro Jahr wenn es hochkommt vielleicht zwei paar Chucks, eine Jeans, ein neues Polo und das war es dann auch schon. La Martina wird immer in Mode bleiben und Chucks sowieso. Und je älter man wird, desto weniger interessiert man sich für die modischen Verwirrungen der Menschheit, es sei denn man ist eine Frau. Da gilt „je oller desto doller“ weil man ja Falten und Krähenfüße irgendwie kompensieren muss.

Meine letzte Lederjacke hat gerade einmal 80 EUR gekostet. Das ist so eine Jacke im Biker-Look, die ich mir über WOW-Angebote von Ebay geschossen habe. Sie schaut gar nicht schlecht aus, hält warm und kann auch mal ein Bierchen oder ein Glas Rotwein ab, weil das billige Leder lackiert ist statt durchgefärbt.

Neue Koffer wird die Welt mich vermutlich auch nicht mehr kaufen sehen, weil die Alu-Rimovas einfach unkaputtbar sind.

Da ich morgen fahre habe ich mich aus den Resten in meinem Kühlschrank ernährt, weil ich nicht gerne Nahrungsmittel wegwerfe.

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Das mag stimmen, sofern man ein junger Mensch ist und das Leben noch vor sich hat. Je älter man aber wird, desto mehr sollte man lernen sich zu bescheiden. Denn das Glück der Erde liegt nicht allein auf dem Rücken der Pferde, sondern in viel Freizeit und vor allem in der persönlichen Freiheit. Je weniger der Mensch hat, desto weniger Verlustängste hat er. Ein Dach über dem Kopf, ein paar hübsche Klamotten, ein großer Fernseher und ein paar Spielzeuge sind zum Glücklichsein völlig ausreichend. Aber zu der Erkenntnis muss der Mensch erst einmal gelangen.

Schlimm wird es, wenn man sozusagen abhängig von seinen Spielzeugen oder gar dem Konsum wird, weil man sich – aber das können nur die wenigsten zugeben – dadurch definiert. Hiervon sind m.M. nach besonders Frauen gefährdet. Meine Mode-Ex war ein gutes Beispiel, aber auch die spermaschluckende Rechtsanwältin. Beide bekamen den Hals nicht voll. Die eine war kaufsüchtig und die andere krankhaft geldgeil. Und beide kompensierten dadurch ihre innere Unruhe und Unzufriedenheit. Die Mode-Ex war ansonsten wenigstens noch recht bescheiden, derweil die alternativverkehrende Anwältin ihrer Schwester nacheiferte, die nur in 5-Sterne-Hotels abstieg und im Restaurant immer teure Weine bestellte, ganz so als ob sie eine Gelddruckerei im Keller betrieb. Dabei wohnten beide mit über 40 Jahren noch zur Miete, hatten also nicht begriffen was im Leben wirklich zählt.

Wenn ich ehrlich sein darf, ist mir ein hübsches Mädchen in H&M oder Zara lieber als eine mittelmäßige Tusse in Prada oder Dolce & Gabbana. Lieber eine attraktive aber arme Frau mit gutem Geschmack als eine geldgeile Ziege, die ihr Selbstbewusstsein durch Markenklamotten pampern muss. Ja ja der Usmiani, aber selbst La Martina oder Allen Edmonds tragen. Nur wird dabei vergessen, dass La Martina Polos sowas wie der Alu Rimova unter den Koffern sind. Sie halten ewig und sehen völlig verwaschen sogar besser aus als neu. Außerdem werden sie nie unmodisch, weil sie nie wirklich in Mode waren. Lediglich diese armen Spinner auf Sylt machten eine Zeitlang einen Hype darum, bis Dieter Bohlen Werbeträger für das Billigfake Camp David wurde.

Frauen müssen ihren Kleiderschrank natürlich häufiger austauschen als wir Männer, denn sie sind dem Diktat der Mode unterworfen. Da darf man sich als Mann nichts vormachen! Die Frau ist genetisch praktisch dazu verdonnert sich hübsch zu machen. Und wenn wir Kerle ehrlich sind, dann ist das auch gut so.

Schauen Sie sich noch mal das Beitragsbild an. Würden Sie nicht auch gerne solche Autos fahren wollen? Ja klar, aber ich würde dafür nicht mehr arbeiten wollen! Jetzt habe ich mit Glücksspiel so gar nichts am Hut, so dass mich dieser Casinoglanz ohnehin nicht anzieht. Aber ich würde ehrlich gesagt lieber mit einem Fiat 500 Cabrio durch Monaco fahren, als für einen Bentley noch arbeiten zu müssen. Vor allem würde ich nach dem Bentley gerne den nächsten Bentley haben wollen, weil der noch mehr PS und irgendwelcher Gimmicks besitzt. Der Fiat 500 hingegen ist absolut zeitlos und beschränkt sich auf das Wesentliche. Und für knapp 15.000 gibt es derzeit diesen kleinen Krawallmacher in Luxemburg zu kaufen:

Also mir würden auf meine alten Tage die 160 PS völlig ausreichen, um hier auf der Insel herumzukurven.

Die kleine Knutschkugel hat hinten übrigens auch eine Vierflutige rausschauen, wie süß!