Pag – Die Insel des Käses und die Wüste Kroatiens

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Pag ist eine Besonderheit unter den kroatischen Inseln. Sie liegt in Nähe der Küste. Direkt vor dem Velebit-Gebirge. Wie man bereits auf den obigen Photos erkennen kann, ist die Insel praktisch kahl. Es wird immer wieder kolportiert, dass sie früher dicht bewaldet gewesen sei und zu Zeiten des Aufbaus Venedigs abgeholzt wurde. Das indes glaube ich nicht. Denn die Gewalt, mit der die Bura auf Pag vor allem in den Herbst- und Wintermonaten wüten kann, ist mir noch nirgendwo anders begegnet. Auch Lošinj kennt die Bura. Teilweise so stark, dass man sich gegen sie lehnen kann, ohne nach vorne zu fallen. Aber das hat nichts mehr mit Pag zu tun. Dort kann man gegen die Bura nicht mehr anlaufen.

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Die Insel Pag ist interessanterweise trotzdem recht beliebt. Vor allem unter Motorbootfahrern und jugendlichen Partygängern. Zu letzteren sei nur der Partystrand Zrće in Novalja 1 erwähnt (http://zrce.eu/). Die Motorbootfahrer können eine relativ gut geschützte große Bucht 2 genießen. Mit vielen kleinen Stränden. Allerdings hat das Aufkommen der Motorboote seit meiner Kindheit dort dermaßen zugenommen, dass mir Pag bei meinem letzten Besuch (ca. 2009) eher wie ein Rummelplatz für Motorboote vorkam. Der Ort Pag 3 selbst hat seit meiner Kindheit praktisch keine Entwicklung erlebt. Es gibt nach wie vor gefühlt ca. drei Eisdielen und gab nur ein einziges vernünftiges Restaurant. Es war eine absolut bodenständige kleine kroatische Konoba. So eine, wo man noch mit viel Knoblauch zubereiteten Tintenfisch vom Grill (Lignje na Zaru) mit Mangold und Salzkartoffeln bekam. Als Dessert Palatschinken z.B. mit Zucker/Walnuss-, Marmeladen- oder Nutellafüllung. Damit bin ich groß geworden! Und es hat mir nicht schlecht getan. Dafür pfeife ich herzlich gerne auf jedes Tiramisu!!!

Bedauerlicherweise haben in der Nähe der Konoba vor einigen Jahren zwei vorgebliche 4-Sterne-Hotels (Pagus und Meridijan) eröffnet. Purer Schrott und bestenfalls etwas für Polen. Die wiederum sind nicht für ihre Kulinarik bekannt und schon gar nicht dafür Genussmenschen zu sein. Wodka bis zum Abwinken zu saufen ist jedenfalls m.p.E. kein Genuss. Entsprechend schlecht besucht war die kleine Konoba leider, als ich meine Familie dorthin zum Essen einlud. Die Gastfreundlichkeit war unübertroffen. Aber man merkte (und die Wirtin sagte es mir auch), dass das Lokal einfach zu wenig frequentiert wird. Es lief halt gerade eben so. Trotz bester Bewertungen z.B. bei Tripadvisor (https://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g651688-d3489125-Reviews-Konoba_Barcarola-Pag_Island_of_Pag_Lika_Senj_County.html) ist die kleine Konoba angeblich inzwischen geschlossen: https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=barcarola+pag. Es bleibt zu hoffen, dass es sich dabei um eine Fehlinformation handelt, stammen doch die letzten Tripadvisor-Beiträge noch aus dem Sommer 2015. Denn den Rest der Pager Gastronomie kann man leider weitestgehend knicken!

Die Einwohner des Ortes Pag lebten die längste Zeit vorwiegend von der Schafszucht und ein wenig Olivenanbau. Viele von ihnen verließen ihr Leben lang nie ihr Eiland. Überregional bekannt ist der Pager Käse, den man praktisch in allen besseren Restaurants Kroatiens als Vorspeise angeboten bekommt. Er ist in seinen verschiedenen Reifestufen am ehesten mit dem spanischen Manchego zu vergleichen, hat aber etwas mehr Schmelz. Die Mentalität der Pažanin(er) ist nicht besonders serviceorientiert. Sie sind es seit Beginn des Tourismus irgendwie gewohnt, dass vor allem die Bootstouristen zu ihnen kommen und sich in den Appartements einmieten. Da es sich häufig um Selbstversorger handelt, konnte sich auf Pag nur wenig Gastronomie entwickeln. Was vielleicht auch daran liegt – und umgekehrt -, dass der Ort Pag bis heute selbst im Hochsommer sehr verschlafen ist. Pag ist gut geeignet für den ruhigen Familientourismus. Anspruchsvollen Touristen oder gar Singles sei von Pag abgeraten, sie könnten sich hier zu Tode langweilen.

Wer mit dem Auto auf Pag zu Besuch ist, wozu aufgrund der wenigen möglichen Aktivitäten unbedingt anzuraten ist, dem sei zu einem Besuch der “Plaža čista” kurz vor Novalja angeraten. Hier lässt es sich gut baden, sehr gut Ćevapčići essen und ein oder mehrere leckere Bierchen trinken.

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Anders ist dies in Novalja mit dem “Ballermann” Kroatiens, dem Partystrand von Zrće. An Ruhe ist in Novalja inzwischen nicht mehr zu denken. Der ganze Ort richtet sich mehr oder minder nach dem Partytourismus. Ansonsten ist Novalja ein vergleichsweise langweiliges Kaff und ein gutes Beispiel für einen ehemals ärmlichen Küstenort, der sich vom Gemüseanbau und Fischfang ernährte und praktisch keine Kontakte zur Außenwelt hatte.

Eine Steigerung hierzu bietet auf der Insel Pag nur noch das Örtchen Lun/Tovarnele. Hier würden sich Schaf und Hund gute Nacht wünschen, hätte der sprichwörtliche Hund sich vor lauter Langeweile nicht schon längst begraben lassen.

Tipp: Alle vorgenannten Orte lassen sich via Google Streetview virtuell begehen! Vielleicht will man danach gar nicht mehr nach Pag.