Star Wars: “Das Erbrechen der Macht!”

Vorab: Ich hasse den Film nicht und mag auch einen seiner Charaktere. Er ist kurzweilig (hab ihn allerdings betrunken geschaut) und tut keinem weh. Und es gibt wohl kaum einen geileren Protagonisten als Han Solo. Sein Spruch „Ich weiß, Sie mögen mich, weil ich ein Schurke bin!“ Prinzessin Leia gegenüber ist geradezu legendär. Ich habe ihn in abgewandelter Form (ich weiß, Du magst mich, weil ich ein kleines elitäres Arschloch bin) auch oft und mit viel Erfolg angewandt 😉

Ansonsten muss man aber zu der Erkenntnis gelangen, dass teure Tricktechnik (anders als in den letzten drei Star Wars Filmen) praktisch nicht zum Einsatz kam. Zumindest war sie für mich nicht sichtbar. Wobei ich den Film aber in 2D gesehen habe. Sollte irgendwer diesen Film in 3D geschaut haben, dann war das wohl der tiefste Griff ins Klo seitdem es 3D-Filme überhaupt gibt. Schlicht nichts – und das möchte ich aber auch mal als durchaus erholsam bezeichnen – ist an dem Film 3D wert. Vielmehr zeichnet sich diese Episode durch den zweifelsfrei noch vorhandenen Charme der ursprünglichen Filme, deren fehlende tricktechnische Effekthascherei und derer vergleichsweise normale Protagonisten aus (Han Solo ggü. Leia: Du hast eine neue Frisur. Sie: Du hast eine neue Jacke.)

Aber leider ist Star Wars inzwischen eine Disney-Familien-Serie geworden. Und das stimmt mich irgendwie traurig!

Derweil man sich früher selbst als erwachsener Mann noch vorstellen konnte vor einem Lord Vader Angst haben zu können, der seinem Sohn im Kampf einfach mir nix dir nix die Hand abschlug und Commandeure mit der Kraft seiner virtuellen Hand zu erwürgen nicht nur befähigt war, bezichtigt heute ein kleines Mädchen (eine junge Frau) – welches natürlich eine perfekte Pilotin ist, warum, wie und woher auch immer – den Filmbösewicht “Angst” zu haben. Dieser fuchtelt daraufhin gleich eines – von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogenen – asozialen kleinen Jungen mit ADHS-Syndrom, wild mit seinem roten Lichtschwert herum. Dieser Film erscheint leider teilweise wie eine Parodie der vorvergangenen Star Wars Filme. Wozu auch Han Solos Frage nach dem Müllschacht zur Unzeit nur zu gut passt.

Jetzt muss man Harrison Ford aber ein riesiges Kompliment machen. Er altert gefühlt einfach nicht! Er wird zwar immer älter und auch faltiger. Aber es ist subjektiv kaum wahrnehmbar. Ihm nimmt man als einzigem Darsteller den Han Solo noch ab. Der Rest der Darsteller ist eigentlich nur Staffage.

Die End-Konfrontation mit seinem Sohn (welcher blutleere unbekannte Schauspieler ist das eigentlich überhaupt) ist natürlich komplett albern. Der geradezu nach Salafistenart (w)irre Sohn mordet seinen Vater. (Was für Harrison Ford eine Gnade ist, muss er doch so nie wieder in einem dieser neueren Star Wars Filme mitspielen) und dann rennt noch der doofe Bimbo Finn mit einem blauen Lichtschwert gegen einen zumindest Halbjedi an. Das ist in ungefähr so, als würde ich mit einer Banane gegen einen Samurai antreten wollen. So einen Scheiß habe ich schon sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr… …lange nicht mehr gesehen. Zuletzt schaut der Sohn von Leia und Han (das ist der Böse in dem Film, der sich um eine Lord-Vader-Stimme bemüht) im Laserschwertkampfe (im tricktechnisch billigen Walde) noch zu, dass er seiner jungen hübschen Antagonistin seine Macht zu vermitteln versucht.

Und am Ende “erwacht” auch noch R2D2! Herrgottjesusnocheins!!!

Machen wir es kurz: Dieser Film erinnert optisch im allerbesten Sinne an seine Prädezẹssoren aus den 70er Jahren. Dass die Charaktere, statt der Tricktechnik in den (vermeintlichen) Vordergrund gestellt wurden, hat mich erfreut. Ansonsten war es ein ähnlich beschissener Film wie der gefühlt siebte Aufguss von “Highlander“. Dem Disney-Konzern ist allerdings ein riesiger Coup gelungen. Ein derart schlecht gemachter Film hat das beste Einspielergebnis aller Zeiten! Sowas nenne ich Marketing!!!

Betrachtet man Lucas Gesichtsausdruck auf nachfolgendem Bild, so erahnte er wohl bereits was er mit seinem Verkauf an den Mickymouse-Konzern angerichtet hatte:

lucassad

Auch wenn es wohl ziemlich sicher photogeshopt ist, dürfte es aber trotzdem zutreffen. Denn in einem Interview (http://www.spiegel.de/kultur/kino/george-lucas-kritisiert-star-wars-das-erwachen-der-macht-als-zu-retro-a-1070095.html) äußerte sich Lucas nicht gerade besonders positiv über den Disney-Konzern und dessen Pläne für einen neuen Star Wars Film.

Derweil Avatar mit 237 Millionen US$ noch gewaltige Produktionskosten für einen wirklich genialen Film verursachte, dürfte bei diesem “Krieg der Sterne” vermutlich das meiste Geld von den 425 Millionen US$ für Werbung, den Regisseur und alsdann hoffentlich für Harrison Ford draufgegangen sein. Allein ihm ist es zu verdanken, dass ich dieses “Bullshit-Movie” überhaupt zu Ende geschaut habe. Es bleibt nur zu hoffen, dass James Cameron künftig nicht auch noch mit der Mickymouse-Company zusammenarbeitet.

Ansonsten uns wirklichen Sci-Fi Cineasten alter Schule eigentlich nur noch der Suizid oder das Reaktivieren der alten Programmkinos verbleiben…