Vom – elenden – Leben auf einer – einsamen – Insel ;-)

News vom Homo Insularis

Jedes Mal wenn ich mit Deutschland telefoniere muss ich mir anhören wie schlecht dort das Wetter ist. Kalt und verregnet, so wie man Neuarabien im Herbst stets kannte. Hier war es die Tage auch leicht regnerisch bzw. diesig. Und so blieb ich zuhause, schaute TV und heizte die Wohnung mit der Klimaanlage. Hier kann man sich das leisten, kostet die Kilowattstunde Strom nur ca. die Hälfte dessen womit sie in New Arabistan zu Buche schlägt. Aber wir hier in Kroatien müssen ja auch keine Millionen von turkarabischen Schmarotzern durchfüttern, so dass wir die Strompreise für unsere autochtonen Bürger – und unsere gut integrierten Mitbürger – eben niedrig halten können.

Die Tage aber hatten wir mal wieder so richtig stahlblauen Himmel (so wie auf dem Beitragsbild) und die Sonne schien so, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Also beschloss ich ins Städtchen zum Essen zu gehen. Kaum hatte ich die Wohnung verlassen spürte ich die Bura. Das ist ein unangenehmer Wind der aus dem Norden weht. Einerseits ist er kalt und andererseits ziemlich schneidend. Weshalb auch alle Restaurants der ersten Reihe geschlossen hatten. Denn bei Bura sitzt auch bei noch so schönem Sonnenschein niemand gerne draußen. Ich drehte also wieder um und ging in die Konoba Bukaleta. Das ist ein Restaurant welches windgeschützt in der zweiten Reihe liegt. Aber ich wollte gar nicht draußen sitzen, sondern setzte mich hinein in die gute Stube.

Dort war ich Sommers schon mehrfach, wenn mich Kunden mit ihren Yachten besuchten. Im – warmen – Sommer ist das Lokal auch außen stets rappelvoll und Reservierungen sind schlicht nicht möglich. Dass es jetzt noch offen ist erstaunte mich zuerst. Aber es hat inzwischen einen Lieferservice und auch hier werden die Leute nicht nur wohlhabender, sondern – wohl damit einhergehend – auch immer fauler. Und so kamen nach der Schule mehrere Kinder rein, die sich eine Pizza für zuhause bestellten. „Na wenigstens kommen sie noch selbst vorbei, anstatt einfach anzurufen„, dachte ich mir. Ich selbst war der einzige NotToGo-Gast während meines zweistündigen Aufenthaltes dort.

Jedenfalls hatte ich mir das Essen echt verdient, weil ich tags zuvor Rechnungen geschrieben habe. Und zwar u.a. diese lästigen Rechnungen an Kleinstkunden. Da dauert das Erfassen der Rechnungsadresse teils länger als es der Rechnungsbetrag eigentlich wert ist. Aber auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist und am Ende ergeben 10 x 100 EUR eben auch 1.000 EUR und davon kann ich wieder einen Monat lecker essen gehen. Außerdem hatte ich noch einen Ex-Kunden abgerechnet, mit dem ich derzeit vor Gericht bin. Eine vorgeblich seriöse Düsseldorfer Anwaltskanzlei mit einem Standort in Chemnitz und dort haufenweise Arschlöchern, die sich weigern meine Rechnungen zu begleichen und lügen, dass sich die Balken biegen. Ich kann jedem IT-Fachmann nur davon abraten Anwälte zu betreuen. Spätestens wenn die Kundenbeziehung endet, zahlen die ihre Rechnungen nicht mehr. Wie gut, dass ich noch jedes Mal gewonnen habe.

Aber es ist schon recht nervig, wenn man die Schriftsätze weitestgehend selbst formulieren muss. Einerseits weil Anwälte von IT regelmäßig keine wirkliche Ahnung haben und andererseits weil die Qualität der Schreibkräfte in den Kanzleien immer schlechter wird. Da werden teils völlig sinnentstellte Sätze einfach stumpf heruntergetippt. Nun mag der ein oder andere Anwalt halt zu schnell oder etwas nuschelig diktieren. Aber es ist doch gerade der Job einer Schreibkraft den Satz korrekt zu verstehen, um ihn alsdann auch so zu Papier zu bringen.

Andererseits, wären Schreibkräfte auch eben solche, wenn sie denn besonders intelligent wären?

Von der Schreibkraft zu unterscheiden ist übrigens die ReNo-Fachkraft. Das sind m.E. unterbezahlte Damen, die nicht nur schreiben können, sondern u.a. auch noch die gesamte ZV beherrschen. Viele von ihnen sind nach längerer beruflicher Tätigkeit sogar wahre Spezialistinnen in bestimmten Rechtsgebieten. So hatte ich mal einen Kunden, dessen beste Kraft schrieb, ans Telefon ging, buchte, zwangsvollstreckte und auch noch die normalen Verkehrsrechtsmandate komplett selbständig bearbeitete. Auf dem Dorf in Raesfeld und für keine 2.400 EUR brutto!

Was für ein Arschloch von einem Anwalt, dass er ihr so wenig bezahlte!

Jedenfalls ist die Konoba Bukaleta innen ein recht mediterran rustikal eingerichtetes kleines Restaurant mit vielleicht 20 Sitzplätzen. Ich bestellte ein Tomislav …

… und las den SPIEGEL von letzter Woche, den ich noch nicht durch hatte. Ich hätte vor Wut durch die Decke gehen können, als ich folgenden Teil des Artikels über Flixbus las (mit dem Kazam Tornado 348 abphotographiert und mit Abbyy Fine Reader 11 pro erkannt):

Der Flüchtling – Mailand-München, 29 Euro.

Wer als Flüchtling in Deutschland ankommt, hat einen Traum. Arthur Ezetts Traum ist es, Fußballer in Deutschland zu werden. Er ist 24 Jahre alt, groß, ein schlaksiger Mann mit etwas verlorenem Blick aus Liberia, Westafrika. Arthur sagt, dass er eine Pferdelunge habe, ein Herz groß wie ein Lederball und den Traum, dass Gott in ihm einen Fußballprofi sieht. Vielleicht nicht bei Bayern München, eher ein paar Etagen darunter. Natürlich weiß er nicht, wie man in den unteren deutschen Etagen Fußball spielt. Er hat auch lange gar nicht gespielt. Er war in Libyen damit beschäftigt, auf das verdammte Boot zu kommen und auf dem Weg dahin nicht zu sterben.

Brauchen wir sowas in Deutschland? Dumme Bimbos die Fußball spielen wollen und zu sonst nichts in der Lage sind?! Was wird aus ihm wohl werden, wenn er begreift, dass es nicht mal in der Regionalliga etwas für ihn zu tun gibt und er es allenfalls zum Straßenkehrer oder bestenfalls Müllmann schafft? Aber noch ist der Neger ja in Mailand. Und hoffentlich bleibt er auch da!

„Wer aber ist bereit, die Wüste und das Meer zu durchqueren, um Fußball zu spie­len? Wer ist bereit, für eine einzige Chance zu sterben?“, fragt Arthur. Er ist erst seit ein paar Tagen in Europa, „frisch vom Boot“. Er ist gerade viel zu glücklich, dass er es geschafft hat, um sich zu fragen, wie realistisch sein Traum ist. Arthur wartet jetzt auf den Nachtbus nach München. Der müsste gleich kommen.

Es war einer der heißesten Tage des Jahres. Die Sonne hat Mailand aufgeheizt, der Busbahnhof liegt im Westen der Stadt, stei­nern, abstoßend, mit Toiletten, die nicht funktionieren, und einer Uhr, die neun Stunden vorgeht.

Arthur hockt, wie viele Fahrgäste, auf dem Boden. Rucksacktouristen, Familien, Frauen mit Kopftuch, sehr viele Schwarz­afrikaner.

Na wunderbar, der Fußballbimbo ist also nicht der Einzige auf dem Weg in Deutschlands Sozialsysteme! Aber was zum Kuckuck können erst Recht die Frauen mit Kopftuch?!

„Natürlich bin ich nervös“, sagt er. Die anderen auf dem Boot haben ihm erzählt, dass es kaum einer beim ersten Versuch mit dem Bus nach Deutschland schafft. Die Grenzen würden kontrolliert, man müsse es mehrmals versuchen. Immer wieder.

Es ist das alte Prinzip von Flucht. Die ei­nen kontrollieren die Grenzen und bauen Mauern. Die anderen sind verzweifelt und wollen rein. Natürlich gewinnt die Verzweif­lung. „Ich kenne keinen, der es nicht ge­schafft hat“, sagt Arthur,

Vielleicht sollten wir endlich mal beginnen zu internieren, anstatt jeden Wirtschaftsmigranten nach Deutschland zu lassen. Wird der Kaffer da wo er herkommt verfolgt? Nein, er will in Deutschland sein Geld als Fußballspieler verdienen. Ist das neuerdings auch schon ein Fluchtgrund?

Der Trick sei, den Bus nachts und am Wochenende zu nehmen. Zöllner könnten ja nicht immer arbeiten. Das habe jedenfalls ein Nigerianer erzählt, der jetzt in Berlin sei.

Schon in Libyen wusste Arthur, dass er im Bus Weiterreisen würde. Da habe er den Namen Flixbus zum ersten Mal gehört. Es spricht ihn „Flixbux“ aus.

Es ist kurz nach zehn, die Haltestelle ist gut gefüllt, als Arthur eine Nachricht auf sein Handy bekommt. Es würden zwei Busse nach München eingesetzt, schreibt die Flixbus-Zentrale. Es gebe Gruppe A und Gruppe B. Er, Arthur Ezett, gehöre zu Gruppe B.

Kurz darauf fahren zwei Flixbusse in den Bahnhof ein. Die Fahrer kontrollieren die Fahrscheine, sie achten sehr genau da rauf, dass jeder im richtigen Bus sitzt.

Der erste Bus ist voll, ein paar Schweizer Familien, da die Route über Chur führt, einige Rucksacktouristen aus Deutschland, einige Italiener, Spanier. Irgendwann fragt jemand, wo all die Schwarzen seien, die gerade noch neben ihnen an der Haltestel le gewartet hatten. Sie sitzen im anderen Bus. Die Schwarzen sind Gruppe B.

Am Grenzübergang Chiasso, etwa 50 Kilometer nördlich von Mailand nahe dem Comer See, warten Schweizer Zöllner Der erste Bus, Gruppe A, wird durchgewinkt und nicht mal anhalten Der zweite Bus, Gruppe B, der Bus in dem Arthur Ezett sitzt, mit seiner Angst und keinem Traum, stoppt, Zöllner steigen ein.

Arthur wird es in dieser Nacht nicht nach Deutschland schaffen. Um 12.31 Uhr des folgenden Tages schreibt er per SMS: „They take me back from Swiss Border.“ Sie bringen mich von der Schweizer Grenze zurück. Auf die Frage, ob er glaube, dass es Absicht gewesen sei, die Schwarzen in einen Bus zu stecken und die Weißen in einen anderen, antwortet er nicht sofort. Es ist ihm egal. Er wusste ja, dass es schwer werden würde. „War vielleicht Zufall“, schreibt er später.

Na Gottseidank. Danke lieber Schweizer, dass Ihr uns diesen Bootsbimbo vom Hals gehalten und ihn wieder nach Italien zurück geschickt habt!

Flixbus-Gäste beschweren sich im Internet, dass die Grenzkontrollen zu lange dauerten, weil nach Flüchtlingen kontrolliert werde. In dem ersten Bus, der durchfahren durfte, sind die meisten Gäste sehr zufrieden. Ihr Bus ist pünktlich.

Keine acht Stunden später steht Arthur Ezett wieder in Mailand. Er ist vom Bahnhof Como San Giovanni wieder zurückgefahren. An den schrecklichen Mailänder Busbahnhof. Er wartet auf den Bus nach München. Diesmal fährt nur einer, offenbar war die Nachfrage zu gering für zwei Busse. Als Arthur zum zweiten Mal an der Schweizer Grenze ankommt, sind die Zöllner beschäftigt. An den Haltebuchten stehen Kleintransporter, die gerade kontrolliert werden, ein anderer Reisebus musste das komplette Gepäck ausladen. Arthurs grüner Flixbus wird durchgewinkt. Später an der deutschen Grenze hat er noch mal Glück, ein paar Stunden darauf ist er in München. Arthur steht jetzt jeden Morgen mit ei­nem einzigen Satz im Kopf auf: „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt.“ Er hat sich bei der Münchner Polizei gemeldet, die ihn nach Ingolstadt in eine Aufnahmeunterkunft gebracht hat. Die Beamten sei­en unfreundlich, sagt er. Die Polizisten auch. „Sie glauben, sie sind ganz harte Hunde“, sagt Arthur.

Wenn Sie mich fragen, dann hätten die Polizisten diesen Sozialschmarotzer besser sofort weggesperrt. Aber es kommt noch besser:

Arthur kann die Leute nicht mehr zäh­len, die er neben sich hat sterben sehen. Bei der Fahrt durch die Wüste, in den Camps der Schmuggler, in dem Boot, mit dem er über das Mittelmeer gefahren ist. Schlechter als Libyer einen Schwarzen be­handeln, schafft das auch kein Ingolstadter Polizist. „Ich habe keine Angst. Was wol­len sie mir antun? Was?“ Die Reise habe ihn verändert, sagt er. Man habe ihm die Angst komplett genommen. Er hat jetzt erst mal einen Asylantrag gestellt. Er sei dankbar, sagt er. Auch „Flixbux“ sei er dankbar.

Na wunderbar. Asylantrag, weil er in Deutschland Fußball spielen will. Wie bescheuert sind wir eigentlich?

Heute sollte es mal wieder das komplette kulinarische Wohlfühlprogramm incl. Vorspeise sein. Ich bestellte Salat vom Kraken. Leider aus. Daraufhin Melone mit Pršut. Leider aus. Dann Spargelsuppe. Die arme Kellnerin stand noch am Tresen und der Koch suchte vermutlich verzweifelt nach den letzten Spargeln. Da ich aber ein recht freundlicher Mensch bin ging ich zu der Kellnerin hin, bestellte ein zweites Tomislav und sagte, dass es auch gerne Pršut und Paški sir sein dürften. Als Vorspeise wohlgemerkt. Daraufhin kam das hier:

Ehrlich gesagt war ich danach bereits pappsatt! Aber was sollte ich machen, ich hatte die Hauptspeise doch schon bestellt. Mit Pršut und Käse gefüllten Tintenfisch. Leider hatte ich auch diesbezüglich die Portionsgröße vergessen bzw. sträflich unterschätzt …

… weshalb ich ein Viertel liegen lassen musste, was mir insbesondere wegen der ausgezeichneten Polenta im Herzen weh tat.

Kostenpunkt der ganzen Angelegenheit 197 Kuna (26,80 EUR). Ich gab noch ein paar EUR Trinkgeld und trollte mich wieder nach Hause.

Da ich im Restaurant diverse Gespräche mit diversen Kunden geführt hatte, aber aktuell selbst beim allerbesten Willen nichts für diese tun konnte, u.a. weil Lieferanten nicht mit Preisangeboten rübergekommen waren, legte ich mich danach einfach ins Bett.

Das kann ich jedem nur empfehlen!

Wenn man ein gewisses Maß an Frustration aufgebaut hat, weil irgendwie nichts richtig vorwärts geht, dann gibt es zwei Möglichkeiten damit zurecht zu kommen: Entweder man betrinkt sich tagsüber – und kann dafür dann nachts nicht durchschlafen – oder man legt sich in einem dunklen Zimmer ins Bett und kuschelt seine kühlen Kopfkissen. Bei mir hat letztere Lösung jedenfalls bislang noch immer geholfen. Das ist so eine Art kurzer Auszeit vom Job. Und danach geht es dann voller Tatendrang wieder weiter. Funktioniert aber natürlich nur wenn man selbständig ist. 😉