Vom Manne und der Mode

Mode ist etwas für das man ein Vermögen ausgeben kann. Frauen tun dies regelmäßig, weshalb sie in den seltensten Fällen finanziell einen Fuß auf den Boden bekommen, egal wie viel sie verdienen. Gäbe es sie nicht, dann gäbe es praktisch keine Bekleidungshersteller. Ganz Bangladesh und halb Indien haben nur deshalb etwas zu beißen, weil die europäische Frau wie eine Geisteskranke konsumiert. Meine Mode-Ex z.B. gab all ihr Geld für „Coffee to go“ und Klamotten aus.

Nichts blieb am Monatsende übrig. Weshalb ich sie u.a. auch irgendwann vor die Tür setzte.

Jedesmal wenn wir irgendwo hinflogen das gleiche Spiel: Sie bestieg den Flieger mit der VOGUE und anderen „Bilderbüchern“. Nach kurzem Durchblättern sollte ich ihr dann meinen SPIEGEL geben, weil ihr langweilig wurde. Ist natürlich schon doof, wenn man auf einem Flug nach z.B. Marrakesch nach einer halben Stunde schon keine Beschäftigung mehr hat und deshalb stundenlang Löcher in die Luft glotzen muss. Schön war auch der Kurztrip nach Nizza. Eine bezaubernde Stadt mit unnachahmlichem Flair. Was tut meine Modetante? Sie will die Einkaufszone bzw. die dortigen Geschäfte besichtigen. „Wettbewerbsbeobachtung“ sei schließlich Teil ihres Jobs! Pustekuchen!!

Nicht mit mir!!!

Jetzt ist es aber auch für den Mann extrem wichtig gut gekleidet zu sein. Zwar machen Kleider nicht unbedingt Leute. Aber sie sind sowohl Symbol des Status einer Person, wie auch Mittel um individuellen Stil zum Ausdruck zu bringen. Und ganz nebenbei wirkt Kleidung auch auf das weibliche Geschlecht. Schon derweil ich als Student deutschlandweit als Promoter und Dozent für IT im Einsatz war, durfte ich feststellen, dass es einen großen Unterschied in der Wirkung zwischen dem 400 DM Anzug des Saturn-Filialleiters und dem 1.000 DM Anzug des Promoters gab.

Auch in meinem ersten Job als Mitarbeiter eines großen Nürnberger IT-Unternehmens bemerkte ich, dass edles und gut sitzendes Tuch automatisch mit höherer Stellung und ebensolcher Kompetenz gleichgesetzt wurde. Wenn ich in den letzten Jahren irgendwo deeskalieren musste, dann trat ich einfach im feinsten Tuche auf. Gerade Frauen von großbürgerlicher Herkunft haben ein Empfinden für Stil. Weshalb so ein Auftritt auch auf bessere Sekretösen wirkt, Denn deren Chefs verdienen selbst ganz gut und so kann das Sekretariatshuhn zumindest ansatzweise abschätzen, in welcher Liga sich der kleine Mann (ich) wirklich befindet.

Absolut sicheres Verhalten im Anzug ist hierzu unerlässlich. Ein Mann muss sich im Anzug so sicher fühlen wie komplett nackt. Der Anzug ist keine „Verhüllung„, sondern die perfekte Betonung aller männlichen Attribute. Dazu bedarf es allerdings nicht solch überzogener Preise wie z.B. für Brioni! Die größten Fauxpas im Geschäftsleben sind zu lange Anzugshosen, Polyestercravatten und zweimal in der Woche denselben Anzug zu tragen (Das ist als lieber Rat an einen Ex-Kollegen eines bekannten Nürnberger Softwareherstellers gemeint ;-).

Auch sollte der Mann frühzeitig lernen einen doppelten Windsor zu binden. Und zwar so, dass die Cravatte exakt die Gürtelschnalle bedeckt. Nicht kürzer und auch nicht länger. Und auch nur zum Haifisch-Kragen. Zum Button-Down sollte es der einfache Windsor sein. Ein vernünftiger Anzug muss nicht maßgeschneidert sein. Ich z.B. habe das Glück, dass mir Windsor „Sartorial Shaped Fit“ wie angegossen sitzt. Da kann ich praktisch blind rein nach Stoffqualität aussuchen. Männer mit Problemfiguren, wie z.B. Bauchansatz oder hängenden Schultern, sollten allerdings zum Maßanzug greifen. So etwas ist heute gar nicht mehr teurer als ein Windsor von der Stange. Essentiell bei allen Anzügen sind echte Knopflöcher, wie bereits Gunter Sachs von Coco Chanel lernen durfte. Und Zweireiher sind etwas für verhinderte Kapitäne oder echte Mafiosi.

Glücklicherweise arbeite ich inzwischen – wenn überhaupt – zumeist nur noch von zuhause aus. Die Zeiten als beruflicher Anzugträger sind überdies schon sehr lange vorbei. Trotzdem gibt es einige modische Gesetzmäßigkeiten, die ich weiterhin beherzige. Hier gilt vor allem, dass ich nicht reich genug bin, um modische oder gar billige Kleidung zu kaufen. Viele Deppen laufen jedem Modetrend hinterher und kaufen Marken wie z.B. Abercrombie & Fitch. Sowas kommt und geht.

Man gibt viel Geld dafür aus, und nächstes Jahr kann man den ganzen Krempel wieder wegwerfen, weil Von Dutch oder Ed Hardy in Mode sind oder irgendein anderer kurzlebiger überteuerter Dreck, in dem irgendein Hollywood-Star mal gesichtet wurde. So fuhr meine Modetante total auf „True Religion Jeans“ ab. Die kosten gerne mal bis zu 400 EUR. Da muss Frau schon recht hohl in der Birne sein. Mann natürlich ebenso. Aber selbstverständlich sind Noname-Jeans ebensowenig akzeptabel. Stattdessen sollte der Mann sich früh genug auf bestimmte Marken festlegen. Und zwar auf solche, die zeitlos sind. Kann sich z.B. einer noch an Charles Chevignon erinnern? Heute weg vom Fenster! Vans? Sneaker? Der Mann von Welt trägt klassenlose Chucks. Diesel? Dann doch besser BOSS.

Wir leben in einer Zeit in der es schon länger keine modischen Verirrungen gab wie z.B. die lächerlichen Schnitte der 70er und 80er Jahre. Keine Schlaghosen und keine Schulterpolster. Die einzige relevante Änderung in den letzten Jahren ist die Rückkehr des 2-Knopf Jackets in Europa. Wobei auch das 3-Knopf Sacco noch getragen werden kann, sofern es kein zu breites und kurzes Revers hat. Ich besitze heute noch ein Windsor-Sacco aus Studienzeiten! mit dem ich nicht als unmodisch auffalle. Weiterhin sollte der Mann eine gewisse klassische Grundausstattung besitzen.

Für viele gehört ein Klassiker unbedingt dazu: Die Barbour-Jacke. Diese wird es so lange geben, wie es die Menschheit geben wird. Schon allein deshalb weil zu befürchten steht, dass es die britische Monarchie und die Corgies ebensolange geben wird. Jetzt bin ich aber so gar kein Royalist und stehe der italienischen Mode näher als Tweed, Hornknöpfen und Wachsjacken. Für mich gehören aber zwei Jacken zur unbedingten Grundausstattung des zeitlos modischen Mannes.

jackenklassiker

Die kurze Daunensteppjacke und die kurze Pilotenjacke aus echtem Lammfell. Beides gibt es z.B. von Prada. Da kann es im Winter noch so kalt sein. Mit diesen Jacken kann man auch in der Hochgurgler Neujahrsnacht studenlang draußen vor der Partyhütte verbringen und sich zuprosten, ohne dass einem ansatzweise kalt wird. Zwar sind die Black Label Outfits nicht ganz billig. Aber sie sind absolut zeitlos und die überragende Qualität rechtfertigt den Preis. Natürlich darf der Mann aber keine „Problemfigur“ haben. Wampe und dicker Hintern vertragen sich nicht gut mit diesen figurbetonten Designs.

Ein ganz wichtiges Thema sind Schuhe. Vor allem hieran erkennt Man(n) den Mann von Welt, selbst wenn er ansonsten in Polohemd und Jeans daherkommt. Hier zeigen besonders die Deutschen wenig Stil. Sonst würden sie nicht solchen geklebten Müll wie LLoyd tragen. Schuhe haben zwingend von Hand gefertigt und rahmengenäht zu sein. Der eleganteste Eindruck wird sofort zunichte gemacht, wenn das Schuhwerk nicht passt. Und der Mann von Welt erkennt schlechtes Schuhwerk auf den ersten Blick.

Ein unbedingtes „Must Have“ ist m.E. der burgundfarbene Cambridge von Allen Edmonds. Die „No brown after six„-Regel gilt für ihn nicht. Er kann sowohl zum Anzug als auch zur Lammfelljacke getragen werden und bei nur minimaler Plege ist der pferdelederne Schuh praktisch unverwüstlich. Ich besitze heute noch ein Paar, welches ich mir 1998 (also vor 17! Jahren) gekauft habe und regelmäßig trage!

Auch ein vorne geflochtener schwarzer Schuh für den Sommer gehört zur Ausstattung die der Mann haben sollte. Ein komplett geflochtener Schuh hingegen ist eher etwas für Leute vom Bosporus. Auch sind zu modische, z.B. spitze, Schuhe ein No Go. Ob Maßschuh oder nicht hängt davon ab, ob man beim Hersteller oder Schuster seines Vertrauens einen Schuh findet der perfekt sitzt. Mein Schuhmacher in Zagreb hat z.B. einen Leisten der mir optimal passt. Da wäre es Quatsch, wenn ich mir einen Eigenen anfertigen ließe.

Bleibt noch das Thema Hemd. Da ich ungerne bügele und es nicht einsehe ca. 2,50 EUR täglich allein für das gebügelte Hemd auszugeben, bin ich vor langer Zeit schon auf die schwarzen BOSS-Langarmpolos gekommen. Nachdem ich nach der letzten Bestellung erfuhr, dass diese inzwischen in China hergestellt werden, waren das allerdings meine Letzten. Als zeitlose Marke hat sich La Martina erwiesen. Deren Langarmpolos sehen sogar noch besser aus je älter sie werden, ähnlich manchen Lederjacken. Überhaupt bin ich ein großer Fan des Vintage-Looks. Meine Jeans bestehen teilweise gefühlt mehr aus Flicken als aus Originalstoff. Das spart nicht nur Geld, sondern sieht auch noch cool aus. So wie auch neue Chucks einfach nur bescheuert aussehen. Nachdem man sie kauft, müssen sie erst mal ein wenig dreckig gemacht und abgeschrabbelt werden.

Wenn sie aber erst mal schön abgerissen sind, dann sollte man sie in die Waschmaschine werfen. Abgerissen aber halbwegs sauber, genau so sollten Chucks aussehen.