Reprise: Von den Freuden der Bedeutungslosigkeit

Manchmal frage ich mich warum es Facebook, Twitter, Google+, Instagram usw. eigentlich überhaupt gibt. Bei Google+ sehe ich vielleicht noch einen Nutzen. Da Google sowas wie die Festplatte der Welt darstellt und viele verschiedene sinnvolle Dienste wie z.B. Drive, Docs, Calendar, Maps, Panoramio und Earth zur Verfügung stellt, macht es Sinn sich darüber zu vernetzen, wenn man nicht über eigene Möglichkeiten verfügt. Was man aber heutzutage für Freunde und Verwandte leicht selbst realisieren kann, z.B. mit einem WordPress-Blog.

Na ja, die meisten können es eigentlich nicht. Weshalb es ja auch so viele Menschen gibt die IPhones nutzen.

Auch ich nutze Whatsapp. Einfach weil man per SMS keine Videos oder Bilder verschicken kann, und mein Knauservertrag keine MMS beinhaltet. Welche letztlich, genauso wie SMS, aber inzwischen veraltete Technologien darstellen. Ob das Recht an meinen via Whatsapp versendeten Bildern auf Facebook übergeht, ist mir herzlich wurscht. Ohnehin stelle ich meine Bilder gerne bei Panoramio ein und solange jemand sie nicht auf einer kommerziellen Seite nutzt, freue ich mich darüber wenn ich eines davon zufällig im Internet wiederfinde.

Schließlich habe ich damit einem Menschen geholfen seine Seite zu verschönern und einer Vielzahl von Menschen schöne oder interessante Orte zu zeigen, die sie sonst vielleicht nie zu sehen bekommen hätten. Denn es ist leider nicht jedem gegeben sich in der Welt oder auch nur in Europa umschauen zu können. Und so kann sich z.B. der Pakistani mit Internetzugang die Bilder von Mali Losinj anschauen. Und er darf auch gerne als Urlauber zu uns kommen. Nur nicht als sog. „Flüchtling“, da wir ihn ins Meer zurückwerfen werden.

So hinterlasse ich, wie z.B. auch mit diesem Blog, den ich vor meinem Ableben für hundert Jahre im Voraus bezahlen werde, meine kleinen Spuren auf dieser großen Welt. Und trotzdem bin ich froh über meine eigene Bedeutungslosigkeit. Ich habe keine Ahnung wer meinen Blog liest, ich will nicht „geliked“ werden und schon gar nicht wissen wie viele Leute hier regelmäßig mitlesen. Es interessiert mich nicht. Bedeutungslosigkeit hat zwei große Vorteile. Man kann sagen und tun was man will und man trägt keine Verantwortung.

Ich z.B. darf schreiben, dass mir der Tod von Roger Cicero völlig am Arsch vorbeigeht und ich weder Mitleid noch Trauer empfinde. Ich hielt ihn für einen unterdurchschnittlichen Musiker und Mitleid empfinde ich grundsätzlich nicht für mir wildfremde Menschen, weil sie mir schlicht gleichgültig sind und ich kein verlogener Gutmensch bin, der dem ständigen Gruppenzwang vermeintlicher Sozialisation unterliegt. Nils Ruf aber darf das nicht, obwohl er nur ein C bis D Promi ist. Er wird mit einem „Shitstorm“ der ganzen verkackten Gutmenschen überzogen, die sich an ihrer eigenen Bedeutung aufgeilen indem sie „facebooken“ oder irgendeine gequirlte Scheiße twittern. Und so werden Kreti, Pleti und die Plebs mit ihren dümmlichen Meinungen zu Meinungsmachern und holen sich darauf einen runter, nicht begreifend, dass sie am Ende doch alle nur Ameisen sind.

So ist auch meine  Ex, die Fachanwältin für Lutsch, Schluck und Medizinrecht, natürlich beruflich bei Facebook und hat sage und schreibe 67 „gefällt mir“ erhalten. Das sind statistisch pro Berufsjahr als praktizierende Rechtsanwältin gerade einmal ca. 12 pro Jahr. Wenn ich nur so wenige zufriedene Kunden hätte, dann würde ich heute auch noch zur Miete in einem 2-Zimmer-Loch ohne Gäste-WC wohnen. Schlimmer aber noch, ich würde mir gewahr werden, dass ich völlig bedeutungslos bin, obwohl ich doch bei Facebook um Likes heische. Sonst wäre ich ja nicht dort angemeldet. Und was gibt es Beschisseneres als Werbung, die keiner zur Kenntnis nimmt oder das Betteln um Aufmerksamkeit, ohne welche zu erhalten?

Während ich Whatsapp dazu nutze mich mit Kunden auszutauschen oder auch mit Freunden, schon weil ich nicht besonders gerne telephoniere und ein großer Freund davon bin meine Ruhe zu haben, tauschte meine Ex sich über Whatsapp praktisch im Minutentakt aus, schickte sich mit ihrer dümmlichen Schwester irgendwelche lustigen Bildchen und Videos hinterher und reagierte nahezu wie eine Suchtkranke, wenn mal längere Zeit nichts an Nachrichten kam. Dies erachte ich als großes Problem von geistig schwachen Menschen. Soziale Netzwerke geben ihnen das Gefühl von Bedeutung. Sie fühlen sich vernetzt und einer Gruppe zugehörig. Sie gieren nach Likes und Klicks und was weiß ich was. Wenn diese dann aber irgendwann ausbleiben, dann bleibt nichts als das Gefühl der Leere zurück. Zwar war diese auch schon vorher vorhanden, sie haben sie aber nicht als solche empfunden.

Und so schrieb mir meine Ex irgendwann auch Mails wie …

bedeutungslosigkeit

… in denen sie um meine Liebe nachgerade bettelte …

bedeutungslosigkeit2

… begriff sie offenbar, dass sie mir inzwischen ziemlich egal geworden war. Nur „gut im Bett“ reicht eben leider nicht aus. Natürlich redete ich mich auf die Arbeit raus. Könnte ja sein, dass ich sie ab und an doch noch mal zum Spaßhaben gebrauchen wollte. Da sagt man der Frau dann natürlich nicht, dass sie einem gefühlstechnisch den Buckel runter rutschen kann und die Bedeutung von einem Spielzeug erlangt hat, auf das man nur noch ab und an mal Lust hat.

Vielleicht ist es eine typisch weibliche Eigenschaft nach Bedeutung zu heischen. Vermutlich würden Frauen sich sonst nicht mit Schmuck ausstaffieren und mit ihren Handtaschen ihren sozialen Status für jeden sichtbar zur Schau stellen. Andererseits gibt es dieses Phänomen auch bei Männern. Hier dient das SUV als Statussymbol. Bei alten Männern mit Rückenschaden kann ich sowas ja noch nachvollziehen. Aber echte Männer fahren erstens keine Diesel, zweitens V8-Motoren und drittens kann der Hubraum nicht groß genug sein.

Bedeutungslosigkeit hat einen großen Vorteil. Man wird in Ruhe gelassen. Und Ruhe vermeidet Stress. Es ist mir nicht nachvollziehbar warum so viele Menschen beachtet und gebraucht werden wollen. Das führt doch nur dazu, dass man sich um die Probleme anderer kümmern muss. Probleme die man sonst nicht hätte.

Jetzt habe ich als IT-Spezialist ja einen Job, in dem ich mich in besonderer Weise um Probleme kümmern muss, und mir oft wie ein Kindermädchen für alles und jeden vorkomme. Kommen die Leute mit ihren Anwendungen nicht zurecht muss ich helfen. Ebenso wenn sie sich Viren einfangen, Daten löschen oder sonstwelchen Quatsch treiben. Und natürlich sind sie es nie selbst schuld. Beruflich bin ich also des Öfteren so etwas wie der Retter in der Not. Weshalb ich im privaten Bereich umso mehr meine Ruhe haben und nicht genervt werden will. Ich habe keine Probleme, also soll der Rest der Welt mich mit seinen Problemen in Ruhe lassen. Soll ich am Ende noch Stress wegen der Probleme anderer haben? Und deshalb ganz zuletzt gar früher als notwendig ins Grab steigen?

Nein Danke!

Das Wissen um die eigene Bedeutungslosigkeit schützt auch vor solchen Untugenden wie Großkotzigkeit, Größenwahn, Prahlerei, Gier und Selbstdarstellungssucht. Alles Dinge die ich an meiner Anwalts-Ex mit der Zeit feststellen musste, was mir mehr als nur einen Grund gab mich von ihr am 01.01.2014 per E-Mail zu trennen. Als ich zudem noch erfuhr, dass sie finanziell eine Blenderin war!

Wäre sie mit ihrer Bedeutungslosigkeit zurechtgekommen, dann hätte sie dieser Tage mit mir und auf meine Kosten zu Deloitte-Konditionen ins Prager Interconti fahren können. Stattdessen sitzt sie bis spät am Abend alleine in ihrem kleinen Büro, um sich anschließend alleine zu betrinken …

krankheit

… derweil ich z.B. hier an meinem Leben „leiden“ werde:

interconti-prag