Von den Problemen das richtige Boot zu finden

Der Mann hat Probleme„, wird sich jetzt vielleicht der ein oder andere denken. Aber der Bootskauf ist in der Tat so ziemlich die schwierigste Entscheidung überhaupt. Beim Auto geht so was recht einfach. Will ich ein Auto das zuverlässig ist, schnell ist und viel Platz hat, dann kaufe ich mir einen C63 AMG. Für die Entscheidung brauchte ich seinerzeit keine fünf Minuten. Aber jetzt kaufen Sie sich mal ein Boot das zuverlässig ist, schnell ist und viel Platz hat. Und bedenken Sie bitte, dass Sie – ebensowenig wie ich – leider nicht Roman Abramowitsch sind, sondern einfach nur ein ziemlich armes Schwein, welches sich sein klein wenig Geld selbst hart zusammenverdienen musste!

Ok, da denkt man an Bavaria, vielleicht an sowas hier:

bavaria29-1

bavaria29-2

Gibt es mit 260 PS Dieselmotor. Verbrauch so um die 30 Liter/Stunde. Wenn ich aber am Tisch sitzen will, z.B. um mit dem Notebook zu arbeiten, dann sitze ich entweder draußen unter irgendeinem hässlichen Verdeck – schließlich will ich mich nicht dauernd der prallen Sonne aussetzen – oder ich muss unter Deck in die Dunkelheit. Jetzt will ich aber auch im Bett vernünftig Fernsehen schauen können und das geht in der Unterflurkabine nicht. Und schon gar nicht kann man darin vernünftig Sex haben. Also müsste ich jeden Tag den Tisch im Bug zum Bett und morgens wieder zum Tisch umbauen. Das wäre mir zu lästig.

Damit scheiden alle Boote ähnlicher Bauweise aus, wie leider auch diese extrem schicken Exemplare:

Beneteau Monte Carlo 27

montecarlo27

und Sealine 29

sealine29

Jetzt kann man natürlich fragen, warum es nicht ein größeres Boot sein darf. Weil ich dann sofort mit 2 x 260 PS plus unterwegs sein müsste und der Spritverbrauch auf 60 oder mehr Liter pro Stunde ansteigen würde. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, warum so viele Motoryachten die Marinas auch im Sommer tagsüber nicht verlassen.

Ich aber möchte mit dem Boot durch die kroatische Inselwelt wandern. Und da gehen Vernunft und niedrige Kosten gutem Aussehen und Prestige vor. Also verlegte ich mich auf die Norweger. Das sind durchweg vernünftige Menschen, weshalb sie auch solche Boote bauen:

Nimbus 27 Familia:

nimbus27-1

nimbus27-2

Hier hätte ich eine abschließbare Vorderkabine, die ich auch zur Sitzgruppe umbauen kann. Und sogar eine Achterkajüte. Optimal, wenn man sich mal mit der Freundin gestritten hat, und daher getrennt schlafen will. Dummerweise lässt sich aber weder die Nimbus, noch die vergleichbare Marex 280 Holiday, im Bereich um den Tisch herum abschließen. Ich müsste also vor dem zu Bett gehen mein Notebook und andere Wertsachen wie z.B. das Smartphone in Sicherheit bringen. Oder aber tagsüber unter Deck in der Vorderkajüte am Tisch arbeiten und abends in die Achterkabine zum Schlafen gehen. Das ist auch suboptimal.

Zudem hat das Boot ein Leergewicht von 2.800 kg. Jetzt erlaubt so ein gebremster 2-Achs-Bootanhänger aber nur eine maximale Zuladung von 2.950 kg, weil er ja selbst auch schon ordentlich was wiegt. Verblieben 150 kg für Benzin, Wasser, sonstige Flüssigkeiten und vor allem den ganzen Kram an Bord. Ich habe schließlich keine Lust alles immer aus dem Boot wieder rausräumen zu müssen, falls ich es zu trailern gedenke. Denn auch wenn die Nimbus mit ihrem 150 PS Diesel an der Welle kein großer Säufer ist, so ist sie auch nicht die Schnellste und mit ihr z.B. von Mali Lošinj nach Dubrovnik zu schippern wäre bei ca. 20 Litern/Stunde schon ein ziemlich teures sowie vor allem auch sehr langwieriges Unterfangen.

Was gibt es aber nun im Bereich der trailerbaren Boote mit einer vernünftigen Raumaufteilung? Vor allem viel Schrott. Denn die meisten dieser Boote sind als reine Wasserski und Freizeitboote ausgelegt. Maximal als Daycruiser mit einer Schlupfkabine für das ausnahmsweise Übernachten auf kurzen Touren. Aber nicht zum wirklich darauf leben, was ja mein eigentlicher Plan ist. Jetzt haben ausgerechnet die Kroaten hier was recht Interessantes im Angebot. Die Leidi 660.

leidi660-1

Sehr schick, wie ich finde. Eine Toilettenkabine ist vorhanden, allerdings ist der sonstige Platz im Innenraum leider recht dürftig …

leidi660-2

… auch gibt es achtern keinen Tisch, Sonnenliege o.ä. Für mich alleine würde die Leidi natürlich ausreichen. Aber zu zweit ist sie trotz der hübschen, klassischen Optik eben doch mehr der knapp geschnittene Sportwagen denn der geräumige GT.

Aber es geschehen selbst auf dem Bootsmarkt noch Zeichen und Wunder. Und so launchte Beneteau 2012  seine Antares 7.80. Dieses Boot ist mit seiner Breite von 2,84 cm und einem Gewicht von 1.741 kg ohne Motor bei einer Länge von 7,23 cm geradezu optimal trailerbar bei maximaler Raumausnutzung.

antares780-1

Bei dem Riss fällt die leichte Asymetrie der Badeplattformen auf. Ich gehe davon aus, dass Beneteau Backbord noch Platz für einen kleinen z.B. 10 PS Backupmotor vorgesehen hat.

antares780-2

Mein vielleicht künftiger Arbeitsplatz:

antares780-3

antares780-4

Gerade das letzte Photo zeigt wie clever das Boot geschnitten ist. Die Sonnenliege achtern ist auch für zwei Leute groß genug. So könnte sich meine Freundin z.B. den hübschen Hintern bräunen oder ein Buch lesen, derweil ich am Tisch mit meinem Notebook einen Kunden fernbetreue. Wenn man mal nicht im Restaurant isst, dann ist achtern Platz genug für ein romantisches Dinner.

antares780-5

Oder auch für ein paar Fläschchen Rotwein zusammen mit den Stegnachbarn. Zu sechst lässt es sich hier jedenfalls ganz bequem sitzen.

Außerdem lässt sich mit ihr Wasserski fahren! Das ist für jemanden der mit vier Jahren zum ersten Mal auf Wasserskiern stand kein ganz unwesentlicher Punkt.

Die Beneteau Antares 7.80 ist nach alledem tatsächlich so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Motorbooten. Sie ist mit nur 150 PS schon flott motorisiert. Außenborder sind zudem deutlich reparaturfreundlicher als Innenborder. Ok, es sind Benziner. Aber den höheren Spritkonsum machen die geringeren laufenden Kosten wieder wett. Ich kann das Boot in jeder kroatischen Marina flugs auf den Trailer heben und damit dann meine nächste Destination ansteuern. Vielleicht habe ich ja auch mal Lust mit meinem Hasi ein paar Tage an Land zu verbringen. Dann lasse ich den Hänger einfach in der Marina stehen und bin mit der Zugmaschine unterwegs. Das ist maximale Flexibilität. Und gerade im kroatischen Inland muss man sich selbst in der Hochsaison keine Sorgen um eine gute und gleichzeitig preiswerte Unterbringung machen. Sowas geht heute alles online über die diversen Buchungsportale.

Also: perfektes Boot gefunden. Perfekter Altersteilzeitruhestand geplant. Perfekte Lebensperspektive gefunden. Ganz ehrlich, bisher fiel mir eine jede Entscheidung in meinem Leben leichter als die für das perfekte Boot. Und wenn ich vom Herumschippern irgendwann die Schnauze voll habe, dann lasse ich das Boot einfach in der Lošinjaner Marina liegen und benutze es, um damit an den Strand oder um die Insel herumzufahren.

Oder ich packe es geschwind auf den Hänger und fahre damit einfach mal nach Montenegro, den Gardasee, Roermond oder auch die Mecklenburger Seenplatte. Auch dort überall soll es bekanntlich sehr schön sein.

Kommentar verfassen