Warum Gier nicht gut ist…

Immer wieder gerne mal schaue ich Wallstreet. Allerdings das Original mit Charlie Sheen. Nicht den schlechten Abklatsch. “Gier ist gut” laut Gordon Gekko, weil sie die Wirtschaft antreibt und damit unseren Lebensstandard steigert. Ich denke da etwas anders, denn der Wohlstand der nicht durch Wachstum entsteht, beruht zwingend auf einer Umverteilung von Vermögen. Und dieses ist langfristig immer von arm nach reich umverteilt worden. So will es die Logik.

Jetzt kann man mir vorhalten, dass es mir ja auch recht gut geht. In meinem Falle aber ist jeder Cent hart verdient bzw. vernünftig eingespart. So ist mein Stundensatz nicht der höchste, dafür halte ich meine Kosten niedrig. Ich gönne mir vieles, achte aber dabei trotzdem auf die Kosten. So kaufe ich meine Skier außerhalb der Saison und fahre vorwiegend Youngtimer. Da kriegt man einfach mehr für´s gleiche Geld und genießt den Vorteil der Wertstabilität, wenn nicht gar einer Wertsteigerung.

Ein typischer Fall für die krankhafte Gier, basierend auf maßloser Selbstüberschätzung, ist der Fall Middelhoff. Obwohl selbst der Sohn eines Mittelständlers, und damit gewiß nicht in Armut aufgewachsen, musste er Karriere bei Bertelsmann machen. Das klappte ja soweit noch. Ab da aber ging es fortwährend abwärts. So etwas tut Egomanen nicht gut und so versuchen sie immer wieder ganz nach oben zu gelangen bis sie sich mit immer wagemutigeren Spekulationen selbst um ihr ganzes Vermögen bringen. Heute ist Herr Middelhoff insolvent und es sei ihm wirklich von Herzen gegönnt, dass er zum Sozialfall wird. Dies wird leider vermutlich nicht geschehen, weil solche Leute ja immer ausreichend kriminelle Rechtsanwälte beschäftigen, die sich rechtzeitig darum kümmern, dass mehr als genug zum Überleben bei Seite geschafft wird. Allein das Wissen darum das Meiste verloren zu haben und die gesellschaftliche Ächtung solcher Menschen sind aber schon Strafe genug.

Ich stelle es mir auch schwer vor nach einem Leben voller Saus und Braus, mit Hummer, Kaviar und Champagner schon zum Frühstück sowie Bediensteten, die man nach Lust und Laune zur Sau machen kann, wieder in den Normalmodus umzuschalten und sich an den ganz einfachen Dingen des Lebens erfreuen zu können, wie z.B. Grünkohl mit Pinkel oder einem leckeren Eintopf. Man kann sich nicht mehr einfach zwei Luxusprostituierte auf das Hotelzimmer kommen lassen, um deutlich mehr als das Bruttoeinkommen eines Arbeitnehmers des eigenen Unternehmens für ihre Dienstleistungen zu verballern. Dies oft auch noch auf Firmenkosten.

Jetzt ist der Mensch aber ein Gewohnheitstier. Und liebgewonnene Gewohnheiten abzustellen fällt schwer. Womit jedem Manne anzuraten ist, erst gar nicht nach solchen Dingen zu streben. Sie machen meiner Erfahrung nach nicht zufrieden. Ganz im Gegenteil. Der Mann ist ja von Natur aus eine Art Wettbewerbswesen. Wir wollen immer schneller oder stärker sein als andere. Zumindest wenn wir nicht die hellsten Birnen im Kronleuchter sind. Der schlaue Mann wird hingegen früh genug zum Individualisten, der jedem Wettbewerb aus dem Weg geht. Nur der dumme Wolf lebt im Rudel und hofft darauf irgendwann einmal zum Anführer zu werden. Bis er von einem stärkeren wieder gestürzt wird. Der König ist tot, hoch lebe der König!

Der kluge Mann lernt recht schnell, dass intelligente Frauen nicht den Rudelführer wollen. Denn das sind auch heute oft nicht die Intelligentesten, sondern die Verlogensten und Skrupellosesten. Beides keine Eigenschaften die intelligente Frauen bevorzugen. Der kluge Mann wird sich disziplinieren und unter seinen wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Er wird vermeiden in bestimmte gesellschaftliche Schichten aufzusteigen. Denn dann geht es erst mit dem ganzen gegenseitigen Vergleichen los. Wer hat das größere Ferienhaus in St. Moritz, wer die längere oder auch teurere Yacht. Aus solchen Bedürfnissen erwächst die Gier.

Wieso hat z.B. Bill Gates keine Yacht, geschweige denn eine Superyacht? Weil er im Grunde seines Herzens einfach ein bescheidener Nerd geblieben ist. Während Larry Ellison seine intellektuellen Minderwertigkeitskomplexe Gates gegenüber mit Jets und Superyachten zu kompensieren versuchte.

Wie frustrierend muss es für viele Superreiche sein, dass es immer noch welche gibt die noch mehr haben?! Da lobe ich mir die Geissens. Die sind einfach, manchmal etwas prollig aber haben es aus eigener Kraft geschafft. Sie scheinen glücklich mit dem was sie haben und genießen es in vollen Zügen. Und ich bin mir recht sicher, dass sie auch gar nicht mehr wollen, sondern als Aufsteiger aus der einfachen deutschen Mittelklasse einfach nur heilfroh sind über das was sie erreicht haben: Ein sorgenfreies und finanziell abgesichertes Leben führen zu können. Und allein darum sollte es dem klugen Mann gehen. Sobald er das erreicht hat, sollte er sich zur Ruhe setzen und seinen Platz für andere frei machen.

Dazu aber bedarf es eines Selbstbewusstseins welches eben nicht dem beruflichen Erfolg als Vergleichsmaßstab entspringt. Sondern der inneren Ruhe und Selbstzufriedenheit, die der kluge Mann sich früh genug und ganz bewußt zur Tugend gemacht hat.