Was Sie nicht brauchen ist ein Auto mit italienischem Design

Und schon gar nicht eines mit 510 PS!!!

(Zumindest nicht, wenn Sie das für Sie richtige Auto schon besitzen)

Eine bescheuertere Werbung habe ich noch nie gesehen:

Seit einigen Wochen läuft der scheinbar von schierer Verzweiflung getriebene Versuch den deutschen PS-Aficionados den Biturboboliden Alfa Romeo Giulia QV mit 2,9 Liter Rasenmäher-V6 und 510 PS schmackhaft zu machen.

Ich zitiere:

Sie brauchen acht Stunden Schlaf
Sie brauchen Lichtschutzfaktor 30
Sie brauchen drei Stunden Sport pro Woche

Also: Ich brauche 12 Stunden Schlaf, Lichtschutzfaktor 10 und mache keine einzige Stunde Sport pro Woche! Aber was ich erst Recht nicht brauche ist:

Eine Alfa Giulia!

Optisch wäre das moderne Julchen ohne das Scudetto kaum mehr von einem M5 zu unterscheiden.

Aber das geht heute vielen Autos so. Irgendwie hat die Designsprache sich leider viel zu sehr vereinheitlicht.

Die ersten Tests attestieren dem Julchen zwar gute Fahreigenschaften und auch eine ordentliche Portion Fahrspaß, aber alles andere wäre bei 510 PS wohl auch ein sehr schlechter Scherz.

Was Alfa sich mit dem Auto gedacht hat ist mir schleierhaft.

Dabei bin ich ja alter Alfista (http://www.jerkos-welt.com/for-pistonheads-only-meine-bisherige-automobile-historie/). Und war es solange, bis sich für mich endgültig herausstellte, dass selbst die neuen Alfas immer noch purer Kernschrott sind. Das gefühlt teuerste Auto welches ich bisher gefahren bin war der Alfa 156 1.9 16v jtd. Was bringt mir ein vermeintlich sparsamer Diesel, wenn ich ihn mit ca. 90.000 km bei Alfa Düsseldorf für knapp unter 10.000 EUR kaufe und bis 174.000 km folgende Sachen kaputtgehen:

2 Radlager (v/r + h/l)
Schaltgestänge
Turbolader
2 x der Kühler
Navi (Display, also unbedienbar)
Getriebe

Nebenbei rostete das angeblich vollverzinkte Auto auch noch an allen Ecken und Enden. Bei 172.000 km musste ich es “verschenken“, weil es einfach niemand mehr haben wollte (außer dem sizilianischen Angestellten meiner Werkstatt). Trotz Leder, Klima usw. usw. Ach ja, die Klima funktionierte im Vergleich zu der meines aktuellen C-Benz auch miserabel.

Wunderschön war der Alfa 156 ja! Technisch aber leider kompletter Müll. Vor allem die Bremsen wurden bereits nach kürzester Zeit immer wieder schrubbelig. Mein Mechaniker baute mir dann irgendwann vorne Brembo-Scheiben ein. Die waren super. Leider stellte Brembo irgendwann die Produktion ein. Und so rubbelte ich mich mit dem letzten Satz vorderer Bremsscheiben bis zur Verschenkung des vermeintlichen Premium-Alfa.

Man muss sich bitte einmal vor Augen halten was Alfa in Italien eigentlich darstellt. Es ist sowas wie der Mercedes Italiens. Die gehobene Mittelklasse. Die Oberklasse wird von Maserati, Ferrari usw. besetzt. Ja, und da gab es auch mal Lancia. Aber das hat sich wohl für immer erledigt. Alfa ist die letzte “Massenware” aus Italien für diejenigen, die nicht das Bekenntnis zur italienischen Armut (FIAT) fahren wollen.

Alfa´s Job wäre es daher gewesen einen hübschen Massenseller zu produzieren, so wie seinerzeit den 156. Ein bildschönes Auto, welches sich allein aufgrund seiner Optik so gut und sehr lange (1997 – 2007) verkaufte. Stattdessen versuchen die Deppen sich jetzt ohne eine breite Verkaufsbasis (der 159 ist gescheitert, Alfa hatte zeitweilig nur noch zwei Kleinwagen im Angebot) direkt in der absoluten Oberliga mit AMG, M-Power usw. anzulegen, und bauen ein Auto mit einer Literleistung von sagenhaften 175,86 PS (mit einer Ferrari-Maschine; Ferrari = Synonym für Zuverlässigkeit: Googeln Sie doch mal nach Lancia Thema 8.32!).

Nur zum Vergleich: Mein Babybenz hat bei 520 PS eine Literleistung von 83,69 PS.

Was denken Sie: Welcher Motor wird wohl anfälliger sein?

Als Alfa seinerzeit mit dem 156er großen Erfolg hatte, schob man 5 Jahre später (2002) den GTA nach. Das war natürlich viel zu spät, denn die 193 PS des 2.5 24V genügten damals vielen Alfisti noch lange nicht. Zumal es ja auch die 3.2 Liter Maschine aus dem GTV schon eine Weile gab. Aber auch die 250 PS des GTA reichten natürlich nicht ansatzweise aus, um sich z.B. mit den RS4 balgen zu können. Die brachten 1999 bereits 380 PS auf die Waage und 2005 schon 420 PS. Wenn Alfa es jetzt versucht “von Anfang an” richtig zu machen, dann befürchte ich, dass man das Pferd nun von hinten aufzäumt. Hier die zur Verfügung stehenden Motorisierungen:

2.2 Liter Turbodiesel mit 136, 150 oder 180 PS
2 Liter Turbobenziner mit 200 und 280 PS
2,9 Liter Biturbo V6 mit 510 PS

Wer kauft schon einen Diesel mit 136 PS? Das ist so etwas wie die Passat-Motorisierung für die Polizei oder knauserige Firmen, die ihren Außendienstlern nicht einmal den allergeringsten Spaß gönnen wollen. Und 180 PS als größter Diesel erscheint mir bei einem Hersteller mit dem “Cuore Sportivo” auch zu wenig. Daimler liefert bei der C-Klasse bis 231 PS und BMW beim 3er sogar einen gewaltigen Schiffsdiesel mit 313 PS. So gesehen reicht beim Alfa auch die Leistung von 200 und 280 PS bei den Benzinern nicht. Zudem ist die Kluft zum Topmodel einfach zu groß. Selbst Daimler hat aufgrund des großen Erfolges des C63 AMG noch einen C43 AMG (V6) mit 367 PS dazwischen geschoben.

Auch hätte der wohlhabende Alfista – wer sonst kauft sich wohl sonst eine QV – in der Spitzengiulia einen V8 erwartet und keinen hochgezüchteten 6-Zylinder. Sowas bauen die Japaner und da ist es auch ok. Alfa aber hat eine prächtige V8-Historie (nicht in historischer Reihenfolge).

Mit dem ursprünglichen 8C …

… dem Montreal …

… dem bildhübschen C33 Stradale …

… und zuletzt dem 8C Competizione:

Wenn ich mir einen Nissan GT-R kaufe, dann akzeptiere ich dessen 6-Zylinder, weil er ein Stück höchstentwickelter japanischer Automobiltechnik ist. Der GT-R ist nichts weiter als ein Server auf vier Rädern. Er sieht beschissen aus, geht wie die Hölle und fährt vermutlich im Tunnel auch unter der Decke. Er ist der erste Supersportwagen für Sparfüchse, Japaner oder gleich beides. Aber eben nicht die Liga, in der die Giulia sich balgen mag.

Die Giulia tritt in einem Segment der lang etablierten Platzhirsche an. Audi RS4, zuletzt 450 PS. Etwas untermotorisiert aber eben der kühl-perfekte Audi. Wer Audi fährt der steht auf minimale Spaltmaße, wertige Haptik und einen sportlichen Auftritt (aber wohl eher nicht auf Geschwindigkeit, bin mit dem Baby-AMG jedenfalls noch nie von einem Audi überholt worden). Man hört den Audi auch kaum. Trotzdem ist er bei Bedarf sehr schnell unterwegs, regelt aber – politisch korrekt – bei 250 km/h ab. Der BMW M3/M4 hingegen tut betont so als sei er keine Schwanzverlängerung (was er mit 431 PS auch nicht wirklich ist). Ist in Wirklichkeit aber doch der Versuch einer solchen, weil er eben den Ruf hat auf der Rennstrecke der Schnellste zu sein.

Ja nü, ich kann auch mit einem Lambo zum “Brötchen holen” fahren.
Sinn macht es aber kaum …

Der C63 ist einfach der hemdsärmlige Radaumacher. Er brüllt und rotzt die Gegend akustisch zusammen, geht bevorzugt extrem schnell geradeaus, frisst Hinterreifen wie der Teufel kleine muslimische Kinder und pfeift mal so richtig auf das ganze Mercedes-Image. Er allein ist der einzige wahre Konkurrent des Alfa.

Der M3/4 mag eine präzise Klinge sein. Der – originale (W204) – C63 AMG hingegen ist eine Streitaxt!

Dieses Video beschreibt die Charakteristik des C63 AMG m.E. immer noch am besten (ab Min 1.11):

Wer das Format kennt, der weiß, dass Clarkson die geilsten Autos im Dreiertest immer für sich beansprucht.

Das “Problem with the traction Control” sehe ich eher als zusätzlichen Spaßfaktor an. Wann haben Sie denn zuletzt mitten in einer deutschen Innenstadt kurz mit dem Heck gewedelt?

Ich bin die Tage beim “Freundlichen” nun den W205 C63 AMG in seiner S-Variante gefahren. Der Sound ist erbärmlich. Das blöde Navi steht optisch im Weg herum (meines ist zumeist nicht in Benutzung und daher eingefahren) und die Karre sieht von außen aus wie ein schwuler Pudel mit chinesischen Reisepapieren. Außerdem hätte ich keine Lust zwei Turbos kaltfahren zu müssen. Und – das allergrößte Problem – ich kaufe meine Autos weit überwiegend aus optischen Erwägungen.

Einen C63 AMG kauft man nicht mit dem Verstand, sondern allein mit dem Herzen. Obwohl er eigentlich sogar ein Vernunftsauto ist, gibt es ihn doch auch als Kombi (meiner ist einer).

Der soll auch bei der Giulia kommen und schaut wirklich verdammt schick aus.

Bevor ich also je zum W205 C63 greifen täte, würde ich daher garantiert mehrere sehr ausgiebige Probefahrten mit dem QV Kombijulchen unternehmen!

Andererseits hat mein Babybenz von einem Dragsterkombi gerade mal die 114.000 km gekratzt. Da werde ich bei meinen aktuellen Fahrleistungen noch lange viel Spaß mit ihm haben. Vermutlich wird es bis dahin sogar den ersten C63 AMG mit 2,5 Liter Vierzylinder, 8 Ventilen pro Zylinder, 12 Turboladern und serienmäßigen 1.000 PS geben.

Oder die Islamisten haben uns in die Steinzeit zurückgebombt und wir reiten alle wieder auf Eseln…

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