Wie man als Rotweinfan sozusagen kostenfrei leben kann…

Der Mann von Welt trinkt Wein. Bier ist der Plebs vorbehalten. Denn Bier macht fett, fett macht träge und träge kommt beruflich nicht gut voran. Der Karrierist ist also entweder abstintent oder Weintrinker.

Jetzt ist Wein natürlich eine Wissenschaft für sich. Und besonders sticht hier ein Herr Robert Parker hervor. Dieser Mann ist in Baltimore, USA, geboren und eigentlich Rechtsanwalt. Als solcher war er lange für die Farmkreditbank von Balimore tätig. Was ihm ein vergleichsweise hohes Gehalt bei geringem Arbeitsaufwand bescherte. M.a.W: Ihm blieb genug Zeit zum Saufen! 1982 rief er als superbes Jahr des Bordeaux aus, während der Rest der Kritikerwelt dies anders sah. Da Parker – im Gegensatz zu seinen Kritikerkollegen – aber etwas von Eigenvermarktung verstand und z.B. den Newsletter „The Wine Advocate“ herausgab, gehörte er bald zu den weltweiten Meinungsführern.

Nun qualifiziert ihn aber tatsächlich nichts als Weinkritiker. Weder stammt er aus einem Land mit einer nennenswerten Vinifikationskultur, noch kann man Wein überhaupt objektiv begutachten, da der Weingeschmack verbunden mit seinem jeweiligen Einsatzzweck gerade in den Ländern mit einer langen Weinbauhistorie teils sehr unterschiedlich ist. Während die alten Ägypter sich bereits 3.000 v. Chr. mit dem Weinbau beschäftigten und dieser heute de facto tot ist, bauten die Griechen schon Wein an derweil die Vorfahren der heutigen Franzosen noch nicht einmal wussten, dass das Rad bereits erfunden war. Sie erlernten den Weinbau von den Römern, welche Wein verdünnt mit Wasser den ganzen Tag über tranken. Der heutige z.B. in Kroatien dafür verwendete Begriff „Bevanda“ bedeutet auf italienisch einfach „Getränk“, was den Stellenwert des Weines in der Vergangenheit klar belegt.

Jetzt haben ausgerechnet zwei Nationen in der jüngeren Vergangenheit den Wein zum Kultgetränk erhoben. Franzosen und Italiener. Deren prominenteste Vertreter einerseits Napoleon Bonaparte, Ludwig XIV und Nicolas Sarkozy sowie andererseits Benito Mussolini und Silvio Berlusconi waren. Fällt einem da etwas auf? Genau: Alles größenwahnsinnige Schaumschläger und Psychopathen. Gerade diese beiden Nationen haben zudem fraglos einen Sinn für eigentlich nutzlose Dinge wie Mode und schnelle rote Autos, die indes häufiger in der Werkstatt stehen als sie auf der Straße vorzufinden sind. Qualifiziert sie das aber auch für den Weinbau? Zweifelsfrei, denn wer schon mit dem Genießer-Gen zur Welt kommt, der wird auch einen vernünftigen Wein zu keltern wissen. Rechtfertigt das aber auch die hohen Preise mancher Weine derer Provenienz? Meiner Meinung nach: Nein!

Es ist natürlich eine Sache, ob der Wein aus z.B. dem Cinqueterre stammt, wo er nur unter größten Mühen geerntet werden kann. Allein die Handarbeit rechtfertigt hier den Preis, ebenso wie z.B. für manche Weine von der Insel Rab. Die Qualität der Weine hat in solchen Fällen und Lagen mit dem Preis aber nichts zu tun. Hier zahlt der Geniesser allein für die Handarbeit, die beim Wein aber nicht in der Weise schmeckbar ist wie sie bei einem handgefertigten Schuh sicht- und spürbar ist. Ein z.B. in Australien, Chile oder Südafrika unter optimalsten Bedingungen gezogener Wein aus der so verpönten „Massenproduktion“ kann mit einem teureren italienischen oder französischen Gewächs daher durchaus mithalten. Zumindest wenn es um Alltagstrinkweine geht. Und hier kommen wir zum Titel zurück:

Angenommen der Mann trinkt des Abends zwei Fläschchen eines roten Tropfens mit ca. 14 Umdrehungen. So etwas gibt es aus dem Bordeaux ab ca. 6,50 EUR das Fläschchen. Aus dem Chianti so ab ca. 7,50 EUR. Und aus dem ALDI für 2,49! Nennt sich Sumerton und stammt aus Südafrika. Ein guter Kumpel war kürzlich zu Besuch. Ein ausgewiesener Sammler und Freund schwerer Madirane. Nach ausgiebigem Grillen und einigen Weißbieren (zum Entrecôte darf es ausnahmsweise auch mal Weißbier sein) tranken wir zu „300 Rise of an Empire“ vorgenannten Sumerton. Ohne die Flasche zu sehen oder zu wissen um welchen Wein es sich handelte, stellte mein Kumpel nur fest, dass der sehr lecker sei und ganz ordentlich drehe. Nicht mehr und nicht weniger erwarte ich von einem Alltagswein, will ich doch später gut und lange schlafen und am nächsten Morgen ohne Kopfschmerzen aufwachen.

Rechne ich nun allein beim Wein eine tägliche Ersparnis von ca. 10,00 EUR und berücksichtige, dass der schlanke Durchschnittsmann sich bei zwei Flaschen Wein am Tag kalorientechnisch nicht auch noch Frühstück, Mittagessen und Abendessen leisten kann, dann bleiben reichliche 10,00 EUR alleine für eine Mahlzeit übrig. Für 4,20 EUR liefert z.B. der Bringtaiwanese Mittagessen. Das vorzügliche argentinische 200g Steak aus dem ALDI liegt bei 3,00 EUR. Für die verbleibenden 7,00 EUR könnte man sich an Beilagen geradezu zu Tode stopfen. Natürlich kann man für das alles auch 30,00 EUR an Tag ausgeben, warum auch nicht? Ob die Lebensqualität dafür eine Größere ist wage ich indes zu bezweifeln. Rechnet man den monatlichen Mehraufwand von ca. 600,00 EUR für den vermeintlichen „Genußmenschen“, so ergibt dies in 5 Jahren (ziemlich exakt der Zeitraum den ich üblicherweise meine Alltagsautos bewege) sage und schreibe 36.000 EUR. Dafür bekommt man schon einen guten gebrauchten C63 AMG.  Rechnet man weitere acht Jahre derart vernünftig, so gibt es dafür die schöne kleine Yacht auf dem Beitragsbild. Natürlich gebraucht.

Aber seien wir mal ehrlich: Wenn wir mit gebrauchten Frauen schlafen können, dann ist eine gebrauchte Yacht doch auch akzeptabel. Ein guter Zustand, ebenso wie bei den Frauen, natürlich vorausgesetzt!

Und ich spreche hier allein von Erspartem ohne jedweden Verzicht!