Youngtimerbericht: Mercedes C126 500 SEC Bj. 1991

Ich denke jeder Mann hat ein paar Autos die ihm schon immer gefallen haben. Bei mir sind das der Citroen CX, welcher aber schon im Prospekt rostete und was die Verarbeitung betrifft allerschlimmster Murks ist. Mein Vater fuhr gleich mehrere davon und stieg am Ende aus purer Verzweifelung auf einen VW Passat um.

Gut, dass er nicht gleich Suizid begangen hat!

Besonders gut gefällt mir auch der Maserati Quattroporte aus den 90´ern. Aber leider wurde der zu Zeiten gebaut als es Maserati alles andere als gut ging. Auch hier sind ernsthafte Zweifel an der Qualität, vor allem aber an der Haltbarkeit der Motoren angebracht. Knapp 340 PS aus nur 3.2 Litern waren seinerzeit schon eine Ansage! Und was die Reparaturfreundlichkeit und Ersatzteilpreise betrifft, so schlug mein Mechaniker zuerst die Hände über dem Kopf zusammen, bevor er drohte mich in die Psychiatrie einweisen zu lassen.

Spaß hätte ich auch am originalen Mini gehabt. Den hatte ich mal als Student (toller Frauenfänger). Dummerweise scheinen die allermeisten inzwischen weggerostet zu sein, weshalb man heute minimal Auto für maximal Geld erhält. Außerdem wurde auch nur eine Handvoll mit Klimaanlage gebaut. Und die brauche ich unbedingt, will ich an meinem kroatischen Zweitwohnsitz doch nicht im Auto schmelzen bzw. an den Sitzen festbacken.

Aber da gab es noch etwas. Das nach Auffassung einiger seinerzeit noch vor Rolls Royce beste Auto der Welt. Den Mercedes C126 SEC. Ein sehr lieber Kunde von mir besitzt ein restauriertes Exemplar als 420er. In silber mit blauem Velours. Sehr schönes Auto! Aber mein Kunde ist auch von – sagen wir mal stattlicher – Statur und zu dem passt so ein großes Auto, zumal wenn er daraus, in Anzug und Weste gehüllt, aussteigt. Ich bin aber eher klein (178 cm) und eher athletisch denn z.B. ein türkischer Zuhälter-Bullenbreitbau gleicher Höhe. Normalerweise trage ich zudem Jeans, Chucks und Polos. Mit dem SL geht das vielleicht so gerade noch. Aber passt das zum automobilen Grandsegnieur schlechthin? Nein!

Irgendwann war es mir aber egal. Ich hatte in Berlin ein brauchbares Exemplar zu einem reellen Preis gefunden, nachdem ich mir zuvor einigen Schrott angeschaut hatte. Aber dank des Dienstwagens meiner Mode-Ex kostete mich das keinen Cent und wir nutzten die Besichtigungen zu Wochendtrips quer durch die Republik. So machte die Sache Spaß.

Das Auto gehörte einem jungen Piloten, der den Fehler gemacht hatte seine Freundin zu schwängern. Woraufhin Mami dann wollte, dass er sein Spielzeug abgibt weil Parkplätze in Berlin ja so rar und deshalb auch teuer sind. Schweren Herzens musste der Herr sich also zu Gunsten eines Pampersbombers von dem Auto trennen und ich kam in den Genuß eines weiteren Spielzeuges 🙂 Im ersten Sommer ging es damit mit meinem besten Kumpel zum Tauchen bis nach Dubrovnik. Auf deutlich über 200 km/h schnellen „Clubsesseln“.

Die Reisequalitäten sind unbeschreiblich. 230 km/h schafft der alte Herr noch problemlos. Am wohlsten fühlt er sich aber so um die 160-180 km/h. Wenn dann aber eine dieser turbogedieselten Vertreterpappschachteln sich erdreisten sollte ihm zu dicht auf den Maßanzug zu rücken, dann zeigt der rüstige Rentner dem Heizölferrari nach dem Kickdown und einer kurzen Gedenksekunde immer noch wo der Bartel den sprichwörtlichen Most herholt. Hubraum ist eben nach wie vor durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Reichlich eingeschenkte 5 Liter davon und 252 PS ergeben auch heute noch ein Drehmoment vor dem die Vertreterkombis kapitulieren müssen. Man sitzt auf breiten Clubsesseln und äußerst bequem. Selbstverständlich war schon 1992 alles elektrisch verstellbar und das Auto hatte schon Gurtbringer. Meiner hat die im Vergleich zur Klimaautomatik weniger anfällige Klimaanlage. Die stelle ich einfach immer auf volle Kälte und reguliere dann mittels Stellung der Düsen.

C126

Faszinierend ist das Anlassen des Autos. Es faucht ganz kurz von vorne und dann ist absolute Stille. Den Motor nimmt man bei normaler Fahrt kaum wahr. Nur bei Vollgas entwickelt er so eine Art metallisches Kreischen welches wie durch eine dicke Watteschicht extrem herabgedämpft in den Fahrgastraum dringt. Keinesfalls unangenehm aber man merkt ihm schon an, was für ein potenter Motor da vorne unter der Haube zu Werke geht. Jedoch hört man nicht, dass es sich um einen V8 handelt. Auch nicht an der original belassenen Auspuffanlage. Der SEC geht akkustisch äußerst dezent zur Sache. Eben so, wie es seinem staatsmännischen Auftritt entspricht. Der Verbrauch hat sich auf ca. 40.000 gefahrenen Kilometern so um die 14,5 Liter eingependelt. Aber das dient nur informativen Zwecken, da so etwas Schnödes wie Verbrauch bei solch einem Auto keine Rolle spielen darf. Der 500 SEC ist einfach ein überaus gelungenes Gesamtkunstwerk.

Deshalb sind natürlich Dinge wie spürbare Tieferlegung, Sportlenkrad, Breitreifen, AMG-Felgen oder gar Spoiler bei ihm absolut tabu. Und selbstverständlich hat meiner am Heck auch seine Typenbezeichnung. Denn nur dem größten Modell einer Baureihe ist es vorbehalten diese entfallen zu lassen. Und das war nicht der 500 SEC sondern der 560 SEC. Diesen habe ich mir aber absichtlich nicht ausgewählt, da er eine sportlichere Schaltcharakteristik hat und insgesamt weniger den komfortablen Expressgleiter gibt als einen auch nach heutigen Maßstäben noch respektablen Grand Tourismo. Dessen Rolle übernimmt bei mir aber der R129 500 SL, allerdings mit nochmals 26 PS mehr.

matulji