Youngtimerbericht: Mercedes R129 SL 500 Bj. 1992

Nachdem mein geliebter TVR Griffith 2009 einen Brandschaden erlitt und seitdem langsam aber sicher wiederaufgebaut wird, mottete ich für einige Jahre den guten alten TVR 280 S1 aus. Über den ich in einem anderen Bericht noch posten werde. Jedenfalls war er einfach nicht wirklich langstreckentauglich und ich suchte nach der Trennung von meiner Modetante ein Cabriolet welches auch für Langstrecken (bevorzugt nach Kroatien) geeignet war. Nebenbei belohne ich mich nach der Trennung von einer längeren Beziehung immer mit einem Auto. Das sollte jeder Mann machen.

Wenn ich eines Spielzeugs überdrüssig bin, dann kaufe ich mir einfach ein neues!

Das Cabrio sollte speedtechnisch ca. in der Liga des TVR Griffith mitspielen. Schon lange liebäugelte ich mit einem Porsche 993 Cabriolet. Dieses hat indes drei gravierende Nachteile:

  1. Keinen ausreichenden Kofferraum für zwei Personen
  2. Ich kann damit keine Skier transportieren
  3. Das Ding kann ich nirgendwo abstellen, ohne dass es zerkratzt wird

Italienische Produkte kamen nicht in Frage. Auf Rost und diffizile Technik konnte ich gut verzichten nachdem ich als Schüler mal einen Alfa GTV 2000 (besser als Bertone bekannt) besaß. Das Saab 900 turbo Cabriolet gefiel mir schon immer. Aber es ist halt doch deutlich untermotorisiert. Kamen all die Stahldachcabrios der letzten Jahre in Frage. Am besten gefiel mir noch der ursprüngliche SLK 230 Kompressor. Den hatte ich mal als Firmenwagen. Hat schon echt Spaß gemacht. Andererseits kann ich damit nicht gleichzeitig offen fahren UND Skier transportieren. Das aber ist so ziemlich das Coolste überhaupt, den passenden Heckskiträger vorausgesetzt. Also erinnerte ich mich an das Auto, welches mein Nachbar zu Studienzeiten eine Zeit lang fuhr. Den Mercedes SL Baureihe 129. Sein Vater hatte mehrere Möbelhäuser und gab ihm immer seine sozusagen abgelegten Dienstwagen. So auch den SL.

Ich schaute einige Tage bei mobile.de herum und da war er: Reimport aus Japan, 42.000 km gelaufen, 13.900,00 EUR. Nichts wie hin und angeschaut. Das Auto fuhr sich gut, der Lack hatte in Japan etwas gelitten aber insgesamt war die Laufleistung glaubwürdig (wie mir auch später von meinem Mechaniker bestätigt wurde) und das Auto in einem guten Erhaltungszustand. Einziges Risiko: Das Bedienteil der Klimaanlage funktionierte nicht richtig. Dieses ersteigerte ich später für ca. 150 EUR praktisch im Neuzustand in Abu Dhabi (Ebay sei Dank). Das Auto kaufte ich für 12.900,00. Später ging mir noch das Zahnrad für den Scheibenwischerhubmechanismus kaputt. Das gibt es für ca. 25 EUR als Nachfertigung aus England. Einer der Zylinder der Verdeckhydraulik gab seinen Geist auf. 150,00 EUR für ein gebrauchtes Teil. Inzwischen weiß ich wo ich die fehlerhafte Dichtung für ein paar Cent bekomme. Als später noch einer der Zylinder kaputt ging, wurde nur noch die Dichtung getauscht.

Ich fahre das Auto mit den originalen 16″ Felgen auf 225er Bereifung. Keine Tieferlegung, kein AMG, kein Sportlenkrad. Alles schön original. Denn nur so hebt sich das Auto wohltuend von den vielen SL ab, die als billige Gebrauchte von Mercedes-Freunden vom Bosporus heruntergeritten wurden.

r129-2

Was den Komfort betrifft, so ist das Auto absolut auf dem Stand der heutigen Anforderungen. Nun hat es zwar keinen „Airscarf“ und auch kein „Windschott“. Ebenfalls keine „Massagesitze“ oder gar „belüftete“ Sitze. Aber das ist IMO auch alles Zeugs für Frauen oder Weicheier. Wenn ich offen fahre, dann alle Fenster runter und Gas geben. Die Klimaanlage ist so gut, dass sie auch bei offenem Auto im kroatischen Sommer spürbar kühlt. Deutlich besser jedenfalls als beim geschlossenen C126 des letzten Baujahres.

Ein echter Sportler ist der R129 naturgemäß nicht. Er ist zwar auch für heutige Maßstäbe noch ziemlich schnell und würde offen ca. 275 km/h rennen. Aber trotz seiner sehr sicheren Straßenlage und des Gefühls ein schweres und wertiges Auto zu bewegen, wird der Gasfuß ab ca. 220 km/h etwas leichter. Man hat einfach nicht das Gefühl, dass das Auto sich mit steigender Geschwindigkeit an der Straße festsaugt, wie z.B. beim C63 AMG. Der SL fährt sich eher wie ein S-Klasse Coupe, nur mit etwas weniger Wankneigung. Mit 326 PS fällt die Beschleunigung von 0-100 km/h mit 6,2 Sekunden auch für heutige Verhältnisse noch ordentlich aus. Indes fühlt es sich langsamer an weil der SL dabei keinerlei Radau macht. Auch das 8-Zylinder-Bollern bleibt aus. Aber das ist bei diesem Auto beabsichtigt. Nicht umsonst hat Mercedes ja auch die Auspuffanlage komplett hinter die Heckstoßstange verlegt.

Der SL ist ein Gentlemen, kein Krawallbruder. Er ist ein Auto für automobile Connaisseure, nicht für Luden oder zu Protz neigenden Leuten. Das wurde er erst durch die verrundlutschenden Facelifts der späteren Jahre, als es auch wieder in Mode kam mit armdicken Auspuffrohren die automobile Potenz zur Schau zu stellen. Man kann diesem Auto meines Erachtens nichts Schlimmeres antun, als es tieferzulegen und ihm 255er Schlappen auf AMG-Felgen zu montieren. Sowas gehört allenfalls im Bochumer Rotlichtviertel abgestellt und schnellstmöglich verschrottet.

Die Wirkung des absolut originalen schwarzen Monolithen auf Frauen ist nach wie vor die eines rollenden Kontoauszuges. Denn gerade Frauen haben meist wenig Ahnung was welches Auto wert ist. Wer aber sowas fährt, der muss ihrer Ansicht nach Geld haben. So dachte übrigens auch meine Anwalts-Ex, auf die der SL, den ich am Tage unseres zufälligen Kennenlernens unwissenderweise direkt vor ihrem Bürofenster absstellte, geradezu wie eine Art Dosenöffner wirkte, wie ich später von ihr selbst erfuhr. Oder der Spruch der Sekretärin eines Kunden: „Ach Herr Usmiani, mit dem tollen SL haben sie bestimmt bald wieder eine Freundin.“ Dies zeigt wohl in beeindruckender Weise die Dummheit (und Geldgeilheit) vieler Frauen auf!

Erstens will kein Mann eine Frau die ihn seines Autos wegen will. Zweitens fahren echte Männer ihre Autos nicht um Frauen zu beeindrucken, sondern weil sie selbst daran Spaß haben. Und drittens finden wir Frauen mit Benzin im Blut zwar gut, sie sollen sich ihr schönes Cabrio aber bitte selbst leisten können, anstatt sich Typen zu suchen aus deren Cabriolets sie mit hinter der Sonnenbrille verstecktem hohlem Blick in Richtung Straßencafé glotzen können.

Der Verbrauch liegt bei entsprechender Fahrweise ab 14 Litern aufwärts. Die Unterhaltskosten sind moderat. Bis 6.000 km im Jahr kann das Gerät bei der Zürich für ca. 200 EUR jährlich im Youngtimertarif bewegt werden. Leider hat Vater Staat kein Einsehen und verlangt den vollen Steuersatz. Aber auch das wird sich in sieben Jahren ändern, wenn der SL 30 Jahre alt wird.

Dann wird er ein hyperkomfortabler Expressgleiter und gleichzeitig eine fahrende Geldanlage sein. Das perfekte Auto für den ungebundenen Mann Anfang 50!