Youngtimerbericht: TVR Griffith 430

Der einzig legitime Erbe des E-Type

Es begab sich 1993. Ich machte Sommerurlaub bei meiner Oma in Mali Lošinj / Kroatien und, wie so oft, wenn man etwas jeden Tag haben kann, verbrachte ich meinen Nachmittag nicht am Strand, sondern schaute TV. Den SPIEGEL hatte ich schon durch, also ging ich ins Städtchen, um zu schauen ob die neue Auto Motor & Sport schon da ist. Sie war es. Und in ihr ein Bericht über einen Sportwagen, dessen Hersteller selbst mir bis dato völlig unbekannt war: TVR! (Trevor Wilkinson Racing)

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Welcher Mann stand nicht schon als Kind auf den Jaguar E-Type? Autos für Männer mussten klein sein und große Motoren haben. Diese neumodischen SUVs sind was für Schwuchteln, Kerle mit einem kurzen Penis oder sicherheitsbewußte Familienväter.

Das hier hingegen war der einzige legitime Nachfolger der legendären Jaguar E-Type! Allerdings gab man sich hier erst gar nicht mit einem Reihen-6-Zylinder ab.

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4,3 Liter V8, 272 PS, 0-100 in 4,9 Sekunden, 250 km/h V/max.
Kein ABS, kein ESP, keine Servolenkung! Und von 0-100 seinerzeit ein Porsche-Turbo-Killer!

2004: Ich war Besitzer eines TVR 280 S1 und pflegte eine “Freundschaft mit Zusatzleistungen” mit einer angehenden Rechtsanwältin. Mein Leben bestand aus sehr sehr viel Arbeit, Rotwein, Haschisch und Sex (in genau der Abfolge hintereinander mit Dannilein ;-). Das Bankkonto war gut gefüllt und ich fragte mich, ob ich mir für die viele Arbeit nicht etwas gönnen soll. Jetzt bestand mein Fuhrpark zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem 150 PS starken TVR S1 (Erfahrungsbericht hier) und einem Alfa 156 2.5 24V mit 193 PS.

Aber Man(n) wäre nicht Mann, wenn er sich nicht steigern wollte. Mit einem Kunden besuchte ich seinerzeit den OGP am Ring. Und natürlich war ich mit dem S1 auf dem TVR-Parkplatz. Wo mich ein silberner Griffith 500 für 32.000 € mit seinem bösen Haifischmaul anbettelte: “Kauf mich!“. Ich fuhr ihn Probe, der kurz vor der Rente befindliche Zahnarzt vom Starnberger See wurde auf dem Beifahrersitz leichenblaß und murmelte nur: “Ich wusste ja, dass das Ding schnell ist, aber so schnell habe ich mich nie getraut.

Mit durchdrehenden hinteren Walzen trat ich dem Greiff voll auf den Schwanz und er donnerte auf der langen Geraden unter markerschütterndem Gebrüll wie von der Tarantel gestochen nach vorne. GEIL!!! Im Schiebebetrieb schlug das Ding allerdings im Antriebsstrang derart, dass das Gefühl aufkam die Kardanwelle habe Sex mit dem Differential. Das sei aber beim 5-Liter normal, wie ich später erfuhr. Ebenso wie die leichte Unlust bei hohen Drehzahlen.

Ich versprach mich binnen zwei Tagen zu melden. Da war das Auto schon weg. Pech gehabt! Ich hatte einen gewaltigen Hals, weil der Preis für ein Auto mit der geringen Laufleistung und LHD völlig ok war. Und LHD-Fahrzeuge waren damals schon superselten. Aber 30K+ € nach nur drei Jahren Selbständigkeit mal eben cash auf den Tisch zu legen, das kam mir schon etwas riskant vor, weshalb ich das Auto auch nicht direkt gekauft hatte.

Jetzt bin ich aber so etwas wie ein ziemlicher Glückspilz, denn nur wenige Tage später wurde ein 430er bei mobile.de angeboten. (Inzwischen mein Favorit, weil drehfreudiger) Für nur 22.700 €! Der Besitzer, ein Ingenieur aus dem Süddeutschen, war verstorben und die Frau wollte das Ding einfach so schnell wie möglich aus der Garage haben, war es doch das “Ein und Alles” des Gatten gewesen. Er war mit seinem Ferrari geschäftlich in London, sah den TVR beim Händler, gab den Ferrari in Zahlung und bestellte sein Exemplar als LHD (Neupreis 1993: 103.000 DM). Ich kaufte das Ding noch am Telefon, besorgte mir rote Nummern und fuhr es abholen.

Es war die geilste Heimfahrt meines Lebens. Ich verfrühstückte ein paar ältere 911er und tobte mich auf der Autobahn so richtig aus. Was für ein Tier von einem Auto! Ohne Servolenkung und mit einem ultradirekten Fahrwerk lief das Teil jeder Spurrille so präzise hinterher wie ein Bluthund seiner Fährte. ABS, ESP, Airbag usw. Fehlanzeige! Simply don´t crash them! Griffith fahren bedeutet echte Arbeit. Das Kupplungspedal erfordert einen festen Tritt und dürfte einen der Gründe darstellen warum so wenige Frauen TVR fahren. Belohnt wird der Fahrer dafür mit einem schönen metallischen Klacken der Schaltkulisse. Matt, halb taub aber überglücklich war ich am Abend wieder zu Hause und machte am Wochenende erst einmal eine Tour mit meiner Gespielin rund um die Bevertalsperre. Denn sie war es, die dazu angeraten hatte mir meinen Traum zu erfüllen.

Ich fuhr das Auto bis 2008 als Daily Driver ca. 25.000 km p.a. Der Alfa stand sich selbst bei Regen die Reifen platt. TVR war einfach zu geil! Natürlich hatte es die ein oder andere Macke und auch die Reparaturen kamen nicht ganz billig, zumal bei 103.000 km der Motor revidiert werden musste. Ein 911er des Baujahres mit der Laufleistung wäre mich allerdings auch nicht günstiger gekommen. Der Exclusivitätsfaktor des Griffith jedenfalls ist deutlich höher. Wo auch immer ich mit dem Ding auftauchte, wurde ich darauf angesprochen. Ob von Harley- oder S-Klasse-Fahrern, jeder interessierte sich für das Auto. Und – anders als bei einem Porsche – neidete es einem niemand. So konnte ich es im Sommer auch getrost offen vor dem Haus parken.

2007 im Spätsommer meinte ein Mountainbiker mir auf einer kurvigen Landstraße frontal ins Auto fahren zu müssen. Der Weizen stand so hoch, dass er mich nicht kommen sah (kein Wunder bei der Höhe von unter 119 cm) und die Kurve schnitt. Er flog über das komplette Auto und knallte dahinter auf den Asphalt. Ich konnte mich kaum umdrehen, dachte ich doch, dass sein Kopf aufgeplatzt sein müsse wie eine Wassermelone. Und es gibt kaum etwas Ekligeres als den Gestank von warmem Blut auf sommerlich heißem Asphalt.

Gottseidank hatte er sich nur den Fuß gebrochen. Später wollte das Arschloch sogar Schadenersatz von mir, wäre ihm doch besser der blöde Schädel geplatzt! Jedenfalls regulierte seine Versicherung den Schaden anstandslos was eine farbliche Veränderung meines Spielzeuges zur Folge hatte:

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So wandelte sich der Porsche-Amethyst-Rote “Hingucker” in einen etwas unauffälligeren “Stealthfighter” (Alfa Grigio Titanio), von einem Kumpel aufgrund seines Sounds (er hatte inzwischen eine giftigere ACT-Edelstahlauspuffanlage erhalten) auch “Donnervogel” genannt. Und der Sound ist es was dieses Auto u.a. ausmacht. Ob mit 4, 4,3 oder 5 Litern. Das dreckige V8-Bollern …

… nötigte auf diversen Cabriotouren hinterherfahrenden Porsche- und selbst US-V8-Fahrern Respekt ab. Da kann man noch soviel von dem “heiseren” Boxersound des Porsche daherbrabbeln. Der leicht unrund laufende, hochgezüchtete V8 des Griffith hört sich einfach so richtig schön schmutzig an, wie es ein großvolumiger Spaß-Roadster eben tun muss. Natürlich aber nicht der R129 SL! Der ist eigentlich ein Gentlemen-Coupé mit “Roadster-Option“.

Würde ich einen Porsche mit einer Frau vergleichen, dann wäre es die hübsche aber vergleichsweise langweilige junge Meg Ryan. Der Griffith hingegen ist die junge Megan Fox! Selbst wenn die süß guckt, schimmert das Luder in ihr durch. Hier der direkte Vergleich:

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meganfox

Welcher Mann hätte nicht lieber Sex mit Megan Fox als mit Meg Ryan?! Aber zugegebenermaßen würde auch ich Meg Ryan eher heiraten als Megan Fox (natürlich nur unter Berücksichtigung des obigen optischen Vergleiches). Ihr würde ich einfach eher die liebevolle, gut kochende und treu sorgende Ehefrau abnehmen. Und sehr niedlich war sie ja auch mal. Aber mit dem Alfa 156 2.5 24V hatte ich doch schon so etwas wie eine Meg Ryan. Warum also dann nicht Megan Fox als “Zweitwagen“?

Leider ist es uns Männern hierzulande ja nicht erlaubt mehrere Frauen zu haben. Und auch in unverheiratetem Zustande hat die Damenwelt zumeist etwas dagegen sich den Kerl teilen zu müssen. Bleibt nur das Ausweichen in den automobilen Bereich. Weshalb ich Männer, die nur ein Auto fahren, nicht wirklich nachvollziehen kann…